Montag, 4. April 2011

Wu Wei, Mu Ga, Hanare, Aloha, Stoa, Vairāgya
Die weltweite Suche nach dem inneren Frieden

Was wollen wir mit Yoga erreichen? Was sind die Hintergründe von Yoga? Und wie vermittelt man Erfahrungswege weg von einer äußeren Schale, hin zum wahren Kern der Dinge, zu einem inneren Sein (Schlagwort: „Wie werde ich zum Fruchtfleischyogi?“). Das war die Frage des vergangenen Yoga-Philosophie-Wochenendes. Und so machten wir uns auf die innere Schatzsuche und fanden auch außerhalb des Yogas eine Menge Inspiration:

Wu Wei
Daoismus, Qigong: Wu Wei bedeutet nicht, dass man nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao (natürliches Ursache-Wirkung-Prinzip) entstehen und so das Notwendige getan wird, jedoch nicht in Übereifer und blindem Aktionismus, sondern leicht und mühelos ohne ein Eingreifen des dualistischen Intellekts. Wu Wei ist ein Zustand innerer Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens bewirkt.

Mu Ga
Zen-Buddhismus: Mu Ga ist der Zustand der Nichtwahrnehmung des Selbst (mittels körperlicher Aktivitäten). Mu in der Terminologie des Zen bedeutet ‚leer’, der Zustand von Mu ist das absolute Loslösen vom Ich, welches das wirkliche Sein hervorbringt.

Hanare
Kyudo - Kunst des japanischen Bogenschießens: Hanare ist der Abschuss oder das Auslösen mit der richtigen Technik, bis zu dem Punkt, wo es natürlich und ungewollt geschieht.
Grammatikalisch richtig bedeutet Hanare ‚losgelassen wurde’. Die Verbform drückt die Unabsichtlichkeit aus, dem ist die Form wie ‚ich habe losgelassen’ gegenübergestellt, welches absichtliches Handeln ausdrückt. Niemand kann vermeiden, seine Aufmerksamkeit auf das Hanare zu richten und sich diesem bewusst werden: Das ist bezeichnend dafür, dass das wirkliche und wesentliche Hanare noch nicht erlangt ist. Nach vielen Jahren des Trainings, Schritt für Schritt, verbunden mit der bewussten Entwicklung der Bewegung, kommt der Übende zu dem Punkt, an dem er den Abschuss ohne jede Absicht auszuführen weiß, nur unter der Herrschaft des tiefen wahren Seins, ein Zustand des Hanare, sodass der Pfeil mit der maximalen Präzision abgeschossen wird.

Aloha
Hawaii: Oftmals als respektvoller Gruß gebraucht, bedeutet das Wort auch "Liebe" als persönliche Begegnung (alo) mit dem Hauch des Lebens (ha). Zitat der Königin Liliʻuokalani: „Kein Hawaiianer hatte Erlaubnis dieses heilige Wort auszusprechen, ... es sei denn, er war mit seinem Gegenüber in Harmonie ...“

Stoa
Griechische Antike: Für den Stoiker als Individuum gilt es, seinen Platz in dieser Ordnung zu erkennen und auszufüllen, indem er durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung sein Los zu akzeptieren lernt und mit Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe zur Weisheit strebt. Als Wegweiser dient dabei die eigene Vernunft; als Motivatoren fungieren der Selbsterhaltungstrieb und das Streben nach Selbstvervollkommnung (Oikeiosis). Nur ein lebenslanges Bemühen um Selbstformung, das auch den Herausforderungen von Schicksal und mitmenschlichem Umfeld standhält, schafft Aussicht auf Seelenruhe. Voraussetzung dafür ist eine ausgeprägte Affektkontrolle, die zur Freiheit von Leidenschaften (Apathie), zu Selbstgenügsamkeit (Autarkie) und Unerschütterlichkeit (Ataraxie) führen soll. Mark Aurel (römischer Kaiser 121-180): „Arbeite! Aber nicht wie ein Unglücklicher oder wie einer, der bewundert oder bemitleidet werden will. Arbeite oder ruhe, wie es das Beste für die Gemeinschaft ist.“

Vairāgya
Yoga: Pataňjali fasst in seinem Yoga-Sūtra 1.12 zusammen:
abhyāsavairāgyābhyām tannirodhaḥ

„Durch Üben und die Fähigkeit loszulassen kann unser Geist den Zustand Yoga erfahren.“
Swami Sivananda: „Vairagya ist Leidenschaftslosigkeit, nicht aber die Aufgabe sozialer Pflichten und Verantwortlichkeiten im Leben. Ein Vairagi (ein leidenschaftsloser Mensch) hat kein Raga Dwesha (Zu- oder Abneigung). Ein weltlicher Mensch ist Sklave dieser beiden mächtigen Ströme. Ein leidenschaftsloser Mensch hat eine andere Ausbildung. Er macht überhaupt eine andere Erfahrung. Er ist ein Meister in der Kunst oder Wissenschaft des Sichlösens von Nichtdauerhaftem und Vergänglichem. Ein leidenschaftsloser Mensch ist der stärkste, glücklichste und reichste Mensch auf der Welt.“

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