Dienstag, 8. Februar 2011

5 Fragen an (Berliner) Yogalehrer: Tom Beyer

Foto: Home Yoga

Tom Beyer auf dem Yogafestival 2010


Tom begeisterte mich im letzten Jahr bereits auf dem Yogafestival (siehe Bilder oben). Obwohl ich zuvor bereits bei Home Yoga war, musste ich mir besonders seine Stunden noch einmal genauer anschauen und habe Ende 2010 einen Zehn-Wochen-Kurs bei ihm besucht. Besonders seine Art, Gurte und Blöcke einzusetzen, hat mich wirklich begeistert. Ich habe gelernt, dass es nichts mit Schwäche zu tun hat, Hilfsmittel einzusetzen. Manchmal erfordert es einfach der individuelle Körperbau. Seitdem ich beispielsweise im Halbmond den Block hochkant einsetze, kann ich mich vielmehr darauf konzentrieren, den Brustkorb nach oben zu öffnen anstatt kippelig auf einem Bein zu wanken. Ein Krieger 1 mit Beingurt ermöglicht es auch fortgeschrittenen Yogis, diese Übung in einer neuen Qualität zu erleben. Und in der Vorwärtsbeuge die Oberarme hinter dem Rücken mit einem Armgurt zu fixieren öffnet wunderbar die Schultern ohne die Ellenbogen zu belasten. Und vielen Dank, Tom, für die vielen inspirierenden Worte. Nun nehme ich mir jeden Tag "einen Moment der Achtung, der Wertschätzung und des Respekts, einen Moment der Demut und der Dankbarkeit".

Natürlich habe ich auch Tom meine 5 Fragen gestellt:

1. Wie bist du zum Yoga gekommen?

Ich habe damals in Italien gelebt, und ein Freund hat mir von Yoga erzählt. Da bin ich hellhörig geworden und habe mir gedacht: ,Naja, machst du mal mit. Vielleicht wird dein Handicap im Golf ein bisschen besser. Und es ist bestimmt auch gut für die Konzentration und Beweglichkeit.‘ Gleich in der ersten Stunde in einem Fitness-Studio hat es mich gepackt. Da war gleich das Gefühl: Hier bist du richtig! Ich glaube, nicht ich hab Yoga gefunden, sondern Yoga hat mich gefunden.

2. Wo und bei wem hast du deine Ausbildung zum Yogalehrer absolviert?

Ein paar Monate später bin ich in München bei Patrick Broome im Jivamukti Yoga Center gelandet. Deswegen hab ich auch das Teacher Training bei Sharon Gannon und David Life in New York absolviert. Die umfassende Ausbildung habe ich 2004 bis 2007 bei Patrick in München gemacht. In der Zeit habe ich viele Lehrer aus anderen Traditionen kennenlernen dürfen.

3. Worauf legst du in deinem Unterricht besonders großen Wert?

Dass die Schüler atmen, achtsamer und sensibler werden, und dass sie sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen. Die Yogahaltungen provozieren bestimmte Muster im Inneren. Das sowohl auf der emotionalen als auch auf der intellektuellen Ebene zu spüren ist mir wichtig. Ich lege darauf Wert, dass meine Schüler den Prozess des Yoga verstehen: Wenn man seine Aufmerksamkeit exklusiv über einen längeren Zeitraum auf eine Sache ausrichtet, lässt man automatisch von dem los, was einen zuvor so stark beschäftigt und abgelenkt hat vom wirklich Wichtigen und Realen. Die Ruhe im Inneren wird wieder erfahrbar - die Ruhe, die immer da ist, aber die viele nicht mehr erleben können. Da mag dann an der Oberfläche immer Bewegung sein, aber man kann dahinterschauen und hat gelernt, wieder in Kontakt mit seinem Wesenskern zu kommen. So hat man immer einen Ort in sich, wo man sicher und geborgen ist. Einen Ort, den man nicht mehr außerhalb von sich suchen muss. Im Yoga hat man eine Menge zu tun (lacht).

4. Der Yogaweg ist nie zu Ende. An was arbeitest du gerade?

Yoga für die Schüler immer wieder anschaubarer und erlebbarer zu machen. Sie dazu inspirieren, Yoga als festen Bestandteil in ihr Leben zu integrieren. Das Grundsätzliche ist natürlich: Übe das, was du unterrichtest und unterrichte, was du übst.

5. Dein Lieblingsmantra und deine Lieblingsasana?

Im Yoga lernt man, auch das anzuschauen, was man nicht so gern mag und auch in Situationen zu entspannen, in denen man sich nicht so wohl fühlt. Dadurch wird deine Komfortzone größer. Ich übe immer wieder gern die Grundlagen, solche Haltungen wie Trikonasana und andere stehende Asanas, die das Fundament bilden für die Yogapraxis. Mein Lieblingsmantra ist sicherlich das OM. Darin steckt so viel, und man kann von einem Moment zum nächsten zur Ruhe kommen.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Reflection: Yoga, Fashion und Kosmetik

<span class=Die drei Frauen von Reflecion: Christiane Konrad,
Kimberley Steeb und Sabine Konrad (v.l.).


Kimberley Steeb ist Yogalehrerin, Mutter und Designerin.

Kimberley Steeb kennt man bislang vor allem als Partnerin von Ursula Karven, mit der sie gemeinsam auf Mallorca das YogaYou Studio leitete. Die 40-Jährige mit US-amerikanischen Wurzelnfand neben ihrer Tätigkeit als Yogalehrerin bereits 2007 ihre Erfüllung im Designen von Bio-Yogamode. Zusammen mit Karven brachte die Mutter zweier Kinder für Karstadt eine Linie heraus. Diese Erfahrungen konnte sie nun auch in ihre eigene Kollektion einfließen lassen, die sie im Rahmen der Fashion Week im Spirit Yoga Studio in Mitte vorstellte. Die Leidenschaft für ihre Produkte und die vielen Gedanken, die sie sich um die Fertigung macht, merkt man Kim an: " Wir haben uns alle Produktionsstätten in Indien und Bolivien mehrfach angeschaut. Es war uns nicht nur wichtig, dass wir nachhaltige und biologische Materialien verwenden, wie die GOTS-zertifizierte Biobaumwolle, sondern, dass wir auch faire Arbeitsbedingungen vor Ort garantieren können. Deswegen haben unsere Teile auch das Fairtrade-Siegel. Unsere Alpaka-Kollektion entsteht z.B. in Zusammenarbeit mit einem Frauenprojekt, das den Frauen in Bolivien mehr Unabhängigkeit bietet." Die Frage, die Kim Steeb immer wieder antreibt, lautet: Wie kann man seine persönlichen Werte und sein inneres Gleichgewicht auch nach Außen spiegeln und andere daran teilhaben lassen? Denn so kann das eigene Wachstum auch Gutes bewirken. Dieser Gedanke war die Geburt von Reflection.

Der Slogan lautet "The power of choice" - die Macht, sich zu entscheiden. Und die hört eben nicht im Biosupermarkt am Gemüsestand auf, sondern reicht auch bis zu den Dingen, die wir am Körper tragen. Gerade beim Sport ist es gesundheitlich wichtig, die Haut nicht mit giftigen Farbstoffen zu belasten. "Deswegen haben wir uns auch intensiv mit Färbeprozessen und Inhaltsstoffen auseinandergesetzt", so Steeb. "Unser Online-Shop wird immer weiter wachsen und immer mehr Produkte aufnehmen. Wir möchten, dass unsere Kunden, die Wert auf hochwertige und biologische Produkte legen, auch ihren Tee, ihre Kleidung und ihre Beauty-Produkte bei uns kaufen können."

Schon jetzt sind hier eine Organic-Cotton-Linie für Pilates- und Yogafashion, einige kuschelige Strickteile aus Alpakawolle und die vegane Body&SoulCare - Bade- und Duschgels, Seifen und Körperöle - mit naturreinen, biologisch produzierten ätherischen Ölen und in Deutschland (von Klar Seifen) produziert. Selbst die Verpackungen sind recycelbar, und versendet wird CO2-neutral mit Gogreen.



Doch das Beste daran: Die Sachen sind auch wunderschön, bequem und angenehm auf der Haut. Die Tops und T-Shirts sind überlang (sodass man sich im Kopfstand nicht entblößen muss), haben figurschmeichelnde Raffungen und einen perfekten Ausschnitt (sodass sie noch weiblich aussehen aber das Gegenüber in der schiefen Ebene nicht gleich mit der vollen Weiblichkeit konfrontiert wird). Die Baumwollteile sind nicht zu dünn und haben einen Elasthananteil, sodass sie auch bei schweißtreibenden Übungen sehr angenehm auf der Haut sind. Die Farbpalette reicht von neutralem Weiß, über erdige Grau- und Brauntöne bis zu frischem Pink. Preislich beginnt die Kollektion bei € 54,95 für das bauchfreie Top, über € 119 für die Wickeljacke Santi bis zu € 269,95 für den Alpaka-Poncho Shanti. Die Seifen kosten € 19,95 und die Körperöle € 29,95.

Dank Elasthan auch bei schweißtreibenden
Yogastilen angenehm zu tragen:

Top Prana, Hose Anandamaya und Alpaka-Stulpen Prakti.

Die ebenfalls umweltfreundlich recycelbare (d.h. kompostierbare) Yogamatte (nur € 39,90!), die ich schonmal testen durfte, steht auf meiner nächsten Wunschliste: rutschfest, gut gepolstert, und auch neu ausgepackt roch sie überhaupt nicht unangenehm. Nur ein Vorschlag: Die Herren der Schöpfung würden sich bestimmt noch über eine etwas männlichere Farbe freuen. Ich persönlich finde Flieder perfekt!


Fotos (außer das erste): Reflection

Was wird aus DurchBerlin?

Berliner Fashion Week. Menschen als Kleiderständer.


Einige von euch werden sich gewundert haben: Auch wenn ich wieder auf der Fashion Week herumgeturnt bin, ist hier bislang nichts erschienen. Lange habe ich nichts geschrieben, lange habe ich darüber nachgedacht, was aus diesem Blog werden soll.

Ich bin derzeit in der Ausbildung zur Yogalehrerin bei Spirit Yoga. Und mit ganzem Herzen dabei. Nicht nur dadurch bin ich ins Grübeln gekommen. Vertragen sich konsumorientierte Fashionberichterstattung und inspirierende Texte zum Yoga in einem Blog? Inwieweit ist die Mode in Berlin für mich noch Kunst und geht über die Grenzen einer geldorientieren Scheinwelt hinaus. Jeder, den ich auf der Fashion Week traf, berichtete mir vom sogenannten Fashion-Week-Koller. Wenn alles zu viel wird. Wenn man Dinge wie Magermodels und aufgeblasene Scheinwelten nicht mehr erträgt. Und das bringt mich mehr und mehr ins Grübeln. Ist das die Welt, mit der sich dieses Blog beschäftigen will? Abgesehen davon, ob ich noch auf die Shows gehe, inspirieren sie mich noch zum Schreiben? Dieses Blog war einmal dazu gedacht, mich zusätzlich zu journalistischen Auftragsarbeiten mit Dingen zu beschäftigen, die mich interessieren und inspirieren. Tun sie das noch?

Nachdem wir uns in der letzten Hausaufgabe des Teacher-Trainings mit den ethischen Werten - den Yamas und Niyamas - auseinandersetzen sollten, und nachdem ich mich lange mit Nadine von der Agentur sieben&siebzig über Biomode unterhalten habe, bin ich zu einer Entscheidung gekommen. DurchBerlin wird in Zukunft immer noch über Yoga, Mode und Kunst berichten. Allerdings mit dem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Ich klappere nicht mehr die Shows einer nach der anderen ab und berichte wahllos. Ich möchte mit meinem Blog jener Mode eine Plattform bieten, die sich ökologischer und fairer Fertigung verschrieben hat. Hinzu kommen weiterhin Yogastudiotests, Interviews mit Yogalehrern und Kulturtipps. Und ich werde inspirierende Texte zum Thema Yoga und Philosophie posten. Den Anfang macht das neue Yogafashion-Label Reflection.

 
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