Mittwoch, 21. Juli 2010

Berliner Yogastudios im Test: moveo

Im Test Yogastudios Berlin: moveo Yoga
Im Test Yogastudios Berlin: moveo Yoga in BacksteingebäudeIm Test Yogastudios Berlin: moveo Yoga EingangEingang zum moveo Yogastudio in altem Brauereigebäude

(letztes Bild: www.moveoberlin.de)

Es ist Hochsommer, Ferienzeit. Und da fliegen natürlich auch alle Yogalehrer in den Urlaub oder zu einem Retreat, wie ihre „Dienstreise“ – für die Teilnehmer „Entspannungsurlaub“ – auf neudeutsch genannt wird. Retreat heißt irgendwo in der Abgeschiedenheit einer Mittelmeerinsel täglich zweimal Yoga zu praktizieren und das Ganze mit Urlaub und gesunder Lebensweise zu kombinieren. Und so sind auch die Lehrer des moveo Yogastudios in Berlin Kreuzberg fast alle im Urlaub oder Retreat. Schade, ich hätte gern Nancy Jovanovic oder Beate Cuson persönlich kennengelernt, vielleicht ein anderes Mal. Und so freue ich mich auf eine Yogastunde mit Jorgos Fokianos, ein herumreisender Yogalehrer, der auch im Dock11, im Maigold, in der Tanzfabrik, Prostage, im Yoga Shala, Ganz Du, in der Fitness Company, Holme's Place und „Paramount“ Fitness Studio sowie für die Meg Stuarts Tanz Kompanie arbeitet.

Jorgos (Bild: www.sinnlicht-yoga.de/maigold)

Das Studio befindet sich in einer Parallelstraße des Mehringdamms in einer wunderbar restaurierten alten Backsteinfabrik, der ehemaligen Brauerei Habel. Mit dem Fahrstuhl geht es in die fünfte Etage, ins Dachgeschoss. Am Empfang werde ich nett begrüßt, zahle meine 8 Euro für die Probestunde und soll eine Postkarte ziehen. Sie gilt als Eintrittskarte. Der Aufenthaltsraum ist gemütlich, mit Wasserkaraffe, Sitzecke, bunten Kissen und Yogazeitschriften zum Blättern. Die Umkleideräume, mehrere aber alle Unisex, sind zweckmäßig eingerichtet mit Regalen und Sitzmöglichkeit. Sehr hübsch sind die Dachbalken und -schrägen überall. Im Sommer hat das Dachgeschoss mit dem wunderbaren Blick über Berlins Dächer allerdings den Nachteil, dass es hier mollig warm wird. Deswegen stehen alle Fenster sperrangelweit offen. Der Yogaraum selbst ist nicht allzugroß, die zwölf Teilnehmer, die sich einfinden, haben geradeso bequem Platz.

Die Stunde beginnt nach dreimaligem OM mit Entspannungs- und Atemübungen im Liegen auf dem Rücken. Jorgos mit seinem charmanten griechischen Akzent gibt uns ein paar Anleitungen zur Meditation: „Öffnet die Himmelstür eurer Gedanken...tretet hindurch...schließt hinter euch ab...und geht in den Nebenraum...dort, wo es stiller ist.“ Ich muss innerlich etwas schmunzeln ob dieser Metapher, aber sie funktioniert, und ich werde ruhiger. Als nächstes sollen wir uns vorstellen wie an unseren Schultern (danach Becken und Fußknöchel) links und rechts zwei Fäden befestigt sind, die unter uns tief in den Boden hinabhängen und sich im Mittelpunkt der Erde berühren. Alles wird schwer und ich sinke quasi in meine Matte. Ganz nett bei dieser Sommerhitze ist auch die kühlende Atemübung (Pranayama) Sitkari. Dabei berührt die Zungenspitze die Schneidezähne (alternativ den Gaumen), die Zunge dehnt sich zu den Seiten aus, die Zähne sind sanft geschlossen, die Lippen sind leicht geöffnet und man atmet durch die Zähne mit einem the-Laut (wir im Englischen) oder leicht schlürfend ein. Durch die Nase ausatmen. Die Übung wirkt kühlend, besänftigt Hunger und Durst und beruhigt den Geist. Dabei liegen wir auf dem Rücken und streichen unser Becken, Oberkörper, Kehle und Stirn von innen nach außen aus. Wir sollen uns vorstellen, wie die Körperflüssigkeiten in uns sich bewegen und uns wie ein Fluss durchströmen. Danach müssen wir langsam wieder wach werden: erst Katze/Majariasana, dann Sonnengruß. In allen Haltungen erinnert uns Jorgos an das Bild des uns durchströmenden Flusses. Die Wellenbewegung in der Wirbelsäule, die wir in der Katze ausgeführt haben, sollen wir in allen Asanas in minimaler Ausführung beibehalten. Dadurch werden sie weniger statisch. Die Sonnengruß-Serie wird immer wieder variiert mit den Asanas Taube/Kapotasan, Dreieck/Trikonasana, Halbmond/Anjaneyasana und Krieger/Virabhadrasana I-III. Jorge scheint in dieser Stunde den Fokus auf die Dehnung zu legen, weniger auf die Muskelkräftigung, was bei dieser Hitze auch sinnvoll ist. Man mag sich einfach nicht anstrengen, ist aber wunderbar flexibel. Ein Effekt wie beim Bikram-Yoga, nur nicht ganz so auslaugend. Die Stunde endet mit diversen Vor- und Rückbeugen (Vorbeugen in der Grätsche seitwärts/Upavishta Konasana, vorwärts und mit Beine zusammen/Paschimottanasana, gebunden, Brücke/Sethu Bandhasana mit Bein abwechselnd nach oben, Rad/Chakrasana).

Nach der Schlussentspannung unterhalte ich mich kurz mit Jorgos. Er hat in Athen und Amsterdam Theater und Tanz studiert und erzählt von seiner Yogaausbilung: „2006 bin ich dann nach New York und habe dort im Om Yogastudio meine Ausbildung bei Lehrern wie Cyndi Lee, Joe Miller, Frank Mauro und Christie Clark absolviert. Eigentlich komme ich aus der Asthanga-Yoga-Richung, aber hier im moveo unterrichte ich eher einen Vinyasa-Flow-Stil, der etwas weniger die Bandhas betont. Mein Stil ist sehr fließend – deswegen benutze ich gern die Metapher des Flusses.“ Nach der Stunde fühle ich mich weit weniger erschöpft als ich es bei diesen Temperaturen angenommen hätte und schön flexibel. Ich würde gern noch einmal im Winter wiederkommen, dann soll es hier auch eine Sauna geben!

Fazit: Gemütliches Yoga-Studio in wunderbarer Architektur mit breitem Angebot, Massagen und Sauna. Empfehlenswert!

Infos:
Moveo . Studio für Yoga
Am Tempelhofer Berg 7D
10965 Berlin (Kreuzberg)
Tel. 030-69 50 52 24
info@moveoberlin.de
www.moveoberlin.de

Diverse Kurse: Mo-Fr ab 9 (letzter Kurs startet zwischen 19.45 und 21 Uhr), Sa ab 10.15 und 12 Uhr, So 18-19.30 Uhr; Hatha, Iyengar, Flow und Tandava; diverse Schwerpunkte (Rücken, für Kinder, Meditation, nach Geburt mit Babys, in Englisch, für Schwangere, für Teilnehmer mit Gewichtsproblemen); Kosten: Probestunde € 8, 60 Min. € 7, 90 Min. € 13, 5er-Karte (5 Wochen) € 50, 10er Karte (4 Monate) € 120/erm. € 110, 20er Karte (6 Monate) € 220/ erm. € 200, 50er Karte (1 Jahr) € 500, Sauna € 3.

Im Test Yogastudios Berlin: moveo Yoga Blick aus Fenster

Blick über Berlin

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