Mittwoch, 3. März 2010

Berliner Yogastudios im Test:
Yoga Shala Berlin Mitte






(Alle Bilder, bis auf das erste und letzte: www.ashtanga-berlin.de)


Lange hab ich nichts mehr geschrieben, aber gestern hat es mich mal wieder in den Fingern gejuckt, ein neues Yogastudio zu testen. Also rauf aufs Fahrrad und in die Kastanienallee zu Yoga Shala! Durch einen hübsch blau beleuchteten Durchgang geht es in einen Hinterhof, das Studio auf der linken Seite ist nicht zu verfehlen. Am Tresen werde ich nett begrüßt, ich zahle meine acht Euro und ziehe meine Schuhe aus. Eine Level 2 Hatha-Vinyasa-Klasse soll es sein. Angenehm überrascht mich, dass man mir hier nicht die leidige Frage stellt, ob ich denn schon einmal Vinyasayoga gemacht hätte.

Die Umkleidekabine ist vom Hauptraum abgetrennt, unisex mal wieder. Ein buntes Potpourri an Decken liegt zum Ausleihen bereit – von der (eher ungeeigneten) Steppdecke über Muttis Couch-Wolldecke bis zur typisch mausgrauen Baumwoll-Yogadecke. Der Raum ist schon prall gefüllt, hauptsächlich Frauen. Ich finde noch einen Platz in der ersten Reihe und mach es mir gemütlich. Unsere Yogalehrerin stellt sich als Stine vor, mit einem äußerst sympathisch-nordischen Akzent (Wir ents-pannen die Arme, Schultern und ...).

Die Musik ist typische indisch-tibetische Meditationsmukke, der Raum sauber, angenehm belichtet (eine lustige Lichterkette baumelt über der Ganesha-Figur) und gut temperiert. Die Backstein-Gewölbedecke ist wunderbar unverputzt, die alten Dielen stilecht aufgearbeitet. Nur das Kabelchaos der Stereoanlage bringt etwas Unruhe in den Raum. Die Stunde beginnt im Fersensitz mit einigen einfachen Atemübungen. Wir sollen uns eine Intention vor Augen holen, warum wir heute hier sind – im Verlauf der Stunde werden wir daran erinnert werden. Danach dehnen wir unsere Füße, in dem wir die Zehen umstülpen und uns wieder auf die Fersen setzen. Das ist am Anfang etwas unangenehm, aber die geplagten Winterstiefelfüße freuen sich am Ende über etwas Herausforderung. Danach herabschauender Hund und erste Aufwärmübungen für den Sonnengruß. Besonders nett und mir bislang unbekannt ist die folgende Asana: Man liegt auf dem Bauch, die Arme ausgestreckt zur Seite. Man legt sich in dieser Haltung auf eine Seite und dehnt so die Schulterpartie. Der andere Arm wird ausgestreckt ebenfalls nach hinten geführt. Danach Seitenwechsel. Achtung: der Kopf wird entspannt zu Boden gelegt.

Nach ein paar Runden Sonnengruß und Stuhl folgen einige hübsche Kriegervariationen mit Dreieck und gedrehtem Dreieck. Das ganze geht äußerst fließend über in stehenden Spagat, anschließend hinteres Bein anwinkeln und Hüfte öffnen, in den Baum und wieder zurück. Danach Vorbeuge mit gegrätschten Beinen (Krone des Kopfes auf den Boden ablegen). Beine in den Seitspagat (Herrenspagat) dehnen. Wieder Krieger. Dabei erinnert uns Stine immer wieder mit ihrer wunderbar sonoren Stimme (sie erinnert mich mit ihrer akzentuierten Betonung der Worte angenehm an eine Ballettlehrerin) an die Ujjayi Atmung Immer wieder geht sie herum und kontrolliert und korrigiert. Zwischendurch im Hund sollen wir die Atemübung des Löwen (einatmen – zusammengezogenes Zitronengesicht, ausatmen – Zunge raustrecken, Mund und Augen aufreißen) ausführen und immer wieder auf HA ausatmen. Ich spüre förmlich, wie die schlechte Energie aus mir herausfließt!

Nachdem ich ordentlich ins Schwitzen geraten bin, folgen einige anspruchsvolle Dehnübungen im Sitzen: Beine gegrätscht, ein Bein nach hinten abgewinkelt, nach vorne beugen, Beine zusammen, das eben noch angewinkelte Bein jetzt gerade nach oben dehnen, Seitenwechsel. Danach zehn Atemzüge Frosch. Der Schwerpunkt der Stunde liegt merklich auf Hüftöffnern und Beindehnungen. Zum Abschluss der Fisch und die Totenstellung/Shavasana. Stine geht herum und massiert jedem kurz den Nacken. Das einzige, was mir ein bisschen gefehlt hat in dieser Stunde, sind die Rückbeugen. Meine Beine sind allerdings wunderbar durchblutet und weich! Und dann schaltet mein Kopf endlich ab, und ich tauche in die Schlussentspannung (mit s-p) ein.

Nach der Stunde unterhalte ich mich kurz mit Stine Lethan. Sie ist Dänin, wohnt aber schon seit 13 Jahren in Berlin und war früher Tänzerin: „Ich unterrichte Vinyasa Flow. Das wichtigste, die Basis, ist natürlich die korrekte Ausrichtung. Doch ich achte besonders darauf, dass meine Schüler, wie bei einem Tanz, in den Flow der Bewegungen kommen. Die Übergänge sollen etwas Leichtes, Fließendes haben. Auch beim
Aufbau der Stunde orientiere ich mich am Tanz. Eine gute Aufwärmphase ist wichtig, aber auch ein Peak, wo meine Schüler etwas für sich entdecken können – explore! – und zum Abschluss natürlich wieder sanft herabgeführt werden bis zur Schlussentspannung.“ Stine führt übrigens zusammen mit Nancy Jovanovic vom Moveo-Yogastudie in Kreuzberg (ja, das steht auch noch auf meiner Liste!) ein Yoga-Retreat auf Korfu durch (25.9.-2.10.2010, ohne Flug ab 699 Euro).

Fazit: Eine wunderbar kraftvolle, herausfordernde Stunde mit einer äußerst sympathischen und aufmerksamen Lehrerin. Sehr faire Preise (s.u.)! Ich komme wieder.

Infos:
Yoga Shala Berlin
Kastanienallee 79

10435 Berlin (Mitte)

Tel. 0179-23 11 59-0

info@shala.cc

www.ashtanga-berlin.de

Diverse Kurse Mo-So (außer Fr) in Ashtanga, Vinyasa, Tai Chi, Pilates, Power Vinyasa: Probestunde € 8, 3 Klassen € 24, Einzelstunde € 12, 10er-Karte € 100, 1 feste Klasse pro Woche € 90 für 3 Monate, Monatskarte € 80 (alle Level 1-3)
 
/* Use this with templates/template-twocol.html */