Dienstag, 6. Oktober 2009

Berliner Yogastudios im Test: Home Yoga

Blick von der Dachterasse des Yogastudios
(alle anderen Bilder: www.home-yoga.de)

Yogalehrerin Elana Katz

Eingangsbereich und Teeküche

Der Trainingsraum im fünften Stock

Ruhezone mit Blick zum Reichstag und Friedensengel

Alle Hilfsmittel liegen bereit

Der Empfangsbereich unten mit Shop

Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber natürlich setze ich meinen Yoga-Marathon durch Berlin fort. Gestern war ich bei HOME-Yoga in der Friedrichstraße. Es ist erschreckend, wir früh es jetzt schon dunkel wird und so fuhr ich in der Dämmerung über die nebelverhangene Torstraße.

Im Hinterhof in der Friedrichstraße, wo sich im Erdgeschoss der Yogashop und einer der Übungsräume befindet, ist die Eingangstür verschlossen. Schade, den Shop hätte ich mir gerne näher angeschaut. Der Zettel an der Tür verrät mir, dass mein Kurs im Vorderhaus stattfinden wird und ich dort klingeln soll. Hier wird gerade viel gebaut, die Eingangstür ist noch ein Provisorium, aber zum Glück funktioniert der Fahrstuhl, denn es geht in den fünften Stock. Ich bin ein bisschen zu früh und deswegen die erste Schülerin. Eine gute Gelegenheit, sich mit Elana Katz zu unterhalten. Die junge Yogalehrerin gibt immer dienstags die 19-Uhr-Stunde. Sie öffnet mir freundlich die Tür, zeigt mir etwas schüchtern die Räumlichkeiten und bietet mir einen heißen Tee an. Da werden erstmal die Finger warm.

Leider spricht Elana nur wenig Deutsch, und so erklärt die äußerst zurückhaltende und zerbrechlich wirkende junge Frau mir auf Englisch, was auf mich zukommen wird. Meine Englischkenntnisse reichen zwar, um mich fließend über Alltägliches und meinen Job zu unterhalten, doch wenn sich Englisch mit Sanskrit mischt, wird es etwas schwierig. Deswegen habe ich auch lieber zu Hause noch einmal gegoogelt, welchen Stil Elana unterrichtet, denn von Kripalu-Yoga hatte ich noch nie gehört.

Die meisten Seiten, die über Kripalu-Yoga berichten, sind auf Englisch. Kein Wunder, denn der Stil ist in Europa noch relativ unbekannt, aber in Amerika sehr populär. Gelehrt wird er vor allem am Kripalu Center for Yopa and Health in Lenox, Massachussetts, einer der größten Yogaschulen in den USA. Yogi Amrit Desai, von seinen Schüler auch Gurudev genannt, brachte vor mehr als 40 Jahren diesen Yoga in die USA. Kripalu Yoga geht zurück auf seinen Lehrer Swami Sri Kripalvanandji, auch Swami Kripalu oder Bapuji genannt. Bapujis Weg war extrem asketisch und darauf gerichtet, die Kundalini-Energie zu wecken und sich von ihr transformieren zu lassen. Yogi Amrit Desai hat daraus eine an der Energie (Prana) orientierte Form des Yoga entwickelt, die die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren, Blockaden lösen und Energien freisetzen soll. Besondere Betonung wird auf die Sinneswahrnehmungen gelegt, die als etwas Heiliges aufgenommen werden sollen. So heißt es auf der Homepage der Kripalu School of Yoga: „Kripalu Yoga emphasizes the mechanics of yoga (proper breath and alignment) as well as the inner, spiritual dimensions of yoga practice. Students are encouraged to honor the wisdom of the body and to work according to its limits and strengths.“ Einen schönen Beitrag habe ich noch im Yoga Journal (März-Apr. 2002) gefunden, in dem Yoganand, Lehrer am
Kripalu Center for Yopa and Health, seine Unterrichtsmethoden beschreibt: „In Kripalu Yoga, one of the premises ist that through developing sensitivity to the body we can learn a lot more about the unconscious drives. Breathing is a really integral part of that because unconsciously we choose how much we're going to feel by how much we breath. When we breath more deeply, we feel more. So when I'm leading pranayama, I'm primarily encouraging folks to slow down, to release constrictions in breathing and focus on what they feel.“

„Slow down“ – das hört sich genau nach dem an, was ich im Yoga suche. Ich übersetze es mal mit den Worten eines Freundes: „Mal wieder die Lupe ins Leben halten“. Und ich nehme es vorneweg, die Stunde bei Elana hat das sicherlich ein bisschen geschafft. Einen großen Anteil daran hatte die sehr kleine Gruppe, außer mir waren nur noch zwei andere junge Frauen da.

Das erste, was mir auffällt, ist dass hier nirgendwo eine Stereoanlage steht. Es bleibt leise, was auch mal ganz schön ist im Großstadttrubel. Die Stunde fängt mit ein wenig Meditation an. Wir sollen uns auf unsere Sinneswahrnehmungen konzentrieren um im Hier und Jetzt anzukommen: „Feel the sense of touch, breath the smell in the room and hear the noise of the street.“ In vielen anderen Yogastunden soll ich das alles immer ausblenden. Hier merke ich, dass mich die Konzentration auf Räucherstäbchenduft und das leise Rauschen der Straße tatsächlich beruhigt.

Die erste Übung ist schon anspruchsvoll: Wir sollen uns den Block unter die Schulterblätter klemmen und so eine Art „
Purvotthasana-Variation“ halten, die gerade dadurch höchst anstrengend wird, dass die einzigen Haltepunkte am Boden meine Füße und der Block zwischen meinen Schulterblättern sind. Meine Arme schwegeb ausgestreckt hinter meinem Kopf. Nach einigen Sekunden melden sich mein Nacken und meine Schulterblätter – aber es wird besser als wir unseren Kopf stützen sollen. Es folgen einige Atemübungen, besonders Dirga Pranayama mag ich immer sehr gerne – erst tief in den Bauch atmen, bei der nächsten Atmung zwischen die Rippenbögen und beim dritten Atemzug hoch zu den Schultern. Danach einige Runden Sonnengruß und seeeeehr lange den herabschauenden Hund. Jede Übung wird mit der Atmung verknüpft. Viele Übungen sind sehr dynamisch und schnell. So wird Dirga Pranayama auch mit der schnellen Vorwärtsbeuge verknüpft, was einiges an Übung kostet. Wir stöhnen munter um die Wette. Ujjayi Pranayama rauscht durch den Raum.

Ich bekomme Respekt vor Elana, die eigentlich so zart und zerbrechlich wirkt – aber es trotzdem schafft, nach zwanzig Liegestütz noch in der Asana „Tisch“ mit leiser und ruhiger Stimme von „awareness“ zu sprechen. Oft setzt sie Hilfsmittel wie Blöcke oder Matten ein. Die Haltungen sind allesamt sehr kraftvoll, einige sehr anstrengend, aber nichts Akrobatisches wird abverlangt. Bei der Schlussentspannung massiert uns Elana kurz den Nacken – ich fühle mich sehr entspannt und geerdet. Leise verlassen wir den Raum. Ich kann es mir nicht verkneifen, den wunderbaren Ausblick in beide Richtungen des Dachgeschoss-Lofts kurz zu bestaunen (und zu fotografieren). Ich beneide ein bisschen den Nachbarn, dem man in seine wunderbar eingerichtete Wohngung schauen kann. „Bei gutem Wetter kann man
vom Friedensengel bis zum Alex gucken“, verrät Elana.

Und noch eine Besonderheit erzählt mir Geschäftsführerin Dr. Isabell Lütkehaus später: „Wir sind die einzigen, die jeden Tag kostenlose Meditationsrunden anbieten“.

Fazit: Wer eine ruhige aber kräftige Yogapraxis inmitten der City sucht, der wird sich hier sicherlich wohlfühlen. Absolute Pluspunkte sind die tolle Aussicht und die entspannte, leise Atmosphäre.


Infos:

Home Yoga
Friedrichstr. 122
10117 Mitte
Tel. 31 01 58 00

www.home-yoga.de

Kurse (auch Rücken und Gelenke, Kirtan, Meditation) Mo-Fr 9.30-21.30 Uhr (Di, Do ab 7, Mi ab 7.30 Uhr), Sa, So 12-19 Uhr; Meditation gratis, Probestunde 10 €, Einzelstunde 60 Min. 10 €, 90 Min. 15 €, 3er Karte 40 €, 5er Karte 65 €, 10er Karte 120 € (für 860 Min. 80 €), 25er Karte 250 €, Jahreskarte 800 € (alle 1 Jahr gültig), diverse Zeit- und Abokarten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 
/* Use this with templates/template-twocol.html */