Freitag, 28. August 2009

Ceci n'est pas une souricière


Ein Straßen-Magritte...

24h Berlin: Fotografien und Lesungen

Bilder: C/O Berlin

Über die Aktion
24h Berlin – Ein Tag im Leben habe ich ja bereits an anderer Stelle berichtet. Nun beteiligt sich auch das C/O Berlin mit einer Ausstellung von Fotografien und Lesungen. Am 5. September werden Fotografien aus dem Buch „24h Berlin – Ein Tag im Leben“ als Druckbögen im Foyer des Postfuhramts ausgestellt. Von 17 bis 22 Uhr finden dort auch Lesungen der beteiligten Autoren statt (17-18 Uhr: Pascale Hugues, Kolja Mensing, Sarah Khan, 19-20.15 Uhr: Isabelle Azoulay, Bernd Wagner, Pieke Biermann, Jana Simon, 21-22 Uhr: Bernd Cailloux, Jens Friebe, Jenni Zylka).

Eintritt frei
C/O Berlin

Foyer des Postfuhramts
Oranienburger Straße 35/36
10117 Berlin

Vorfreude:
Jeansmesse JAM kommt nach Berlin

Die Jeansmesse JAM folgt dem Vorbild der Bread & Butter und zieht nach Berlin. Vom 20. bis 22. Januar 2010 findet die Messe in den Rathenau Hallen statt, wo zuletzt die BOSS ORANGE-Fashionshow stattfand, berichtet styleranking. Und zeigt erste Entwürfe:

Quelle: http://blog.styleranking.de

Wie soll ich das im Januar nur alles schaffen – gleichzeitig Mercedes-Benz Fashion Week, Bread & Butter, 5 elements.berlin, Boudoir, thekey.to, Wedding Dress, Premium und jetzt auch noch JAM?

Donnerstag, 27. August 2009

Reggae in Berlin:
Peter Fox in der Wuhlheide


Es war ein Berliner Konzert durch und durch: Ein Kreuzberger auf der Bühne, der über Berlin sang und tausende Hauptstädter vor der Bühne. Das Highlight gestern in der Wuhlheide war allerdings, dass zum Ende des Konzerts von Peter Fox die anderen zwei Frontmänner von Seeed auf die Bühne stürmten und eine etwa halbstündige Zugabe brachten.

Eine Freundin hat mich gestern ganz spontan zum Konzert eingeladen. Was hab ich mich gefreut! Die Kindl-Bühne war mal wieder restlos ausverkauft (Nazis laut Liste am Eingang verboten) und die Stimmung fantastisch. Erstaunlich viele Kinder hüpften um mich rum, Oliver Kalkofe huschte an mir vorbei in den VIP-Bereich – ein wunderbarer Sommerabend, so entspannt wie ein Grillabend mit Nachbarn im Hinterhof.

Und dann begann das
Feuerwerk auf der Bühne – ein Gesamtkunstwerk aus einem unglaublich präzisen Rhythmusgefühl der Trommler von „Cold Steel“, wummernden Bässen, einer beeindruckenden Leichtigkeit der Backgroundsängerinnen, der Perfektion der Musiker, der symbiotischen Licht- und Tanzchoreographie, der tollen Texte von Peter Fox. Gestern brachte Enuff aka Pierre Baigorry (oder wie auch immer sich noch nennt) die Zuschauer zum hüpfen, sodass eine riesige Staubwolke über der Kindl-Bühne schwebte. Und wir durften uns – auch dank der tropisch-schwülen Temperaturen – ein bisschen wie auf Jamaika fühlen. Aber einem Jamaika mit Berlinerischem Akzent: „Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau. Du kannst so schön schrecklich sein, deine Nächte fressen mich auf. Es wird für mich wohl das Beste sein, ich geh nach Haus und schlaf mich aus, und während ich durch die Straßen lauf wird langsam Schwarz zu Blau ...

An diesem Abend war Berlin wunderwunderwunderschön.

Und ich schließe mich der Morgenpost an, die zum ersten Konzert im Juni schrieb: „
So trefflich hat bisher kaum einer das Lebensgefühl der umtriebigen Großstädter auf den Punkt gebracht. Dieses Schwärmen zwischen Verlorenheit und Hedonismus, dieses Schwelgen in Lebenslust und Aufbruchsgefühl. Diese geradezu aggressive Anpampe im Zwischenmenschlichen, die dann doch in einem romantischen Liebesbeweis mündet.“

Mein Lieblingswort ist heute: (liebevolle) Anpampe – bei vielen Berlinern sehr treffend

Hier ein paar Eindrücke mit meiner Digitalkamera aufgenommen in Videoform:














Mittwoch, 26. August 2009

Im Test: Berliner Yogastudios
Sun Yoga


Bilder: www.bikramyogaberlin.de

Die Temperaturen in Berlin sind momentan nicht ohne Eis, einem Sprung in den nächsten See oder Klimaanlage zu ertragen. Man muss schon ziemlich bescheuert sein, jetzt zum Bikram-Yoga zu gehen. Sport bei 40 Grad Raumtemperatur – aber ich habe es ja letzte Woche versprochen.

Ich schwinge mich auf mein wiederbelebtes Fahrrad (dank Bike Team Berlin) und strampel nach Friedrichshain. Es ist zwar schon nach 17 Uhr, als ich ankomme, habe ich trotzdem den Schweiß auf der Stirn stehen und eine (gerade noch) gesunde Gesichtsfarbe. Aber es soll ja noch schlimmer werden. Im ersten Stock melde ich mich am Tresen, fülle das Formular aus und zahle meine zehn Euro fürs Starterpaket. Ob ich schon mal Yoga gemacht habe, werde ich gefragt. „Ja, seit einigen Jahren regelmäßig Hatha-Yoga, aber noch nie Bikram-Yoga.“ „Dann wird das heute ganz neu für dich sein. Denn Bikram-Yoga ist etwas völlig anderes“, lautet die Antwort. Ein Blick in die Umkleidekabine überrascht positiv: Schließfächer (1 Euro Pfand), Föhn, Duschen. Mit insgesamt 400 Quadratmetern ist das Studio in Friedrichshain laut eigenen Angaben das größte in Berlin. Die Besucher vom Vorkurs demonstrieren, warum man die Duschen braucht: Die Damen sind allesamt klatschnass vor Schweiß und hochrot im Gesicht. Mir wird Angst und Bange. Nachdem ich mich umgezogen habe (so wenig wie möglich anhaben, lautet die Devise), bin ich wieder am Tresen und man rät mir, schon mal „vorzuwärmen“, um sich an die Raumtemperatur zu gewöhnen. Nun ich bin normalerweise eine Klischeefrau mit Eisfüßen, aber bei diesen tropischen Temperaturen draußen ist mir nun wirklich nicht kalt. Doch ich bin ja für Ratschläge offen und öffne die Tür zum Trainingsraum.

Uff – eine schwüle Wolke strömt mir entgegen. Von hinten tönt es stolz: „Heute ist's optimal mit 50 Prozent Luftfeuchtigkeit und 38/39 Grad.“ Wie zum Henker soll ich's hier drinnen 90 Minuten aushalten? Moment, Korrektur: 100 Minuten, da ich ja noch zehn Minuten „vorwärme“. Einige Mitstreiter sind schon da und liegen auf dem Boden, die Männer allesamt oben ohne – die haben's gut! Ich lege mich dazu und schwitze schon mal eine Runde fröhlich vor mich hin. Trainer Christoph Mamat, der gleichzeitig auch Geschäftsführer des Studios ist, kommt mit Mikro bewaffnet in den Raum und setzt sich auf seinen Hocker. Er wird sich die Stunde über auch nur selten von seinem Platz wegbewegen.


Wir fangen mit einer Atemübung an, die ich so noch nicht kenne. Obwohl ich mich kaum bewege (ich lege nur den Kopf in den Nacken), bin ich nach einer Runde schon völlig durchgeschwitzt. Um die Selbstkasteiung komplett zu machen, gibt es hier riesige Spiegel an den Wänden, die wunderbar zeigen, wie man im Laufe der Stunde einen immer röteren Kopf und immer größere Schweißflecken bekommt. Nach einigen stehenden Asanas, die mich nochmalerweise kein bisschen anstrengen würden (Dreieck, Krieger usw.) folgen Balanceübungen (Baum, Flieger etc.). Ich merke schnell, dass ich aufgrund der Wärme sehr viel beweglicher bin. „Die Verletzungsgefahr ist durch die bessere Durchblutung geringer. Außerdem werden die Blutzirkulation, Kreislauf und die Entgiftung des Körpers angeregt“, erklärt Christoph mir hinterher. Die Kurse (außer Hot Vinyasa) laufen ohne Variationen jedes Mal gleich ab: die traditionelle Bikram-Serie beinhaltet 26 Asanas in je zweimaligem Durchgang. „Die Übungen sind so aufeinander abgestimmt, dass sie jeden Muskel und jedes Organ ansprechen“, preist Christoph die Vorzüge dieses Stils an. Auf die Dauer würde mir das auf jeden Fall zu langweilig werden.


Ich merke bald, dass mein Kreislauf stellenweise schlappmacht, vor allem wenn es Wechsel zwischen sitzenden und liegenden Positionen gibt oder mein Kopf nach unten baumelt. Da mir beim Adler normalerweise
schon leicht schwindelig wird, lasse ich die zweite Runde besser aus, und auch bei der Heuschrecke muss ich aufgeben. Der Schweiß rinnt in Strömen, mein Top ist mittlerweile dunkelblau, und als wir endlich zu den sitzenden Übungen übergehen, bin ich kurz davor, aus dem Raum zu stürzen. Doch davon hat uns Christoph von vorneherein abgeraten.

Im Sitzen wird es besser. Ich wische mir mehrfach den Schweiß aus den Augen und bekomme prompt eine Rüge: „Lass den Schweiß da, wo er hingehört, und störe nicht den Flow! Trinken solltest du auch nur in den Pausen, die ich ansage.“ Der hat gut reden, der sitzt ja auf seinem Hocker. Ich setze ein paar Runden aus, als wir uns immer wieder auf den Rücken legen und mit der Ausatmung schnell aussetzen und nach vorne beugen sollen. Einmal probiert... der plötzliche Schwindel ist kein schönes Gefühl. Stattdessen dehne ich mich ein bisschen, weil sich das hier wirklich gut anfühlt. Prompt bekomme ich wieder einen Tadel: „Wenn du schon hierherkommst, dann mache bitte unser Yoga mit, alles andere ist respektlos.“ Jetzt werde ich pampig. Der kleine Trotzkopf in mir „kocht“ buchstäblich. Aber ich schlucke meine doch vielleicht etwas zu undiplomatische Antwort hinunter und spare mir meinen Kommentar.


Die Hitze merke ich im letzten Drittel der Stunde kaum noch. Als es zur Schlussentspannung übergeht, schaltet Christoph die Heizlüfter aus (der Teil von mir, der zum „Bionade Biedermeier“ gehört, denkt kurz über den ökologischen Aspekt nach). Kühle Luft weht durch den Raum. Puh. Was mich nun allerdings stark irritiert, ist sein Kommentar: „Genießt die Schlussentspannung solange ihr wollt, und wenn ihr den Raum verlasst, dann macht das bitte ruhig ohne die anderen zu stören.“ Und dann geht er. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Yogalehrer während der Schlussentspannung geht. Meine Vermutung: Es war ihm vielleicht auch zu warm. Natürlich stürzt ein Drittel des Kurses direkt hinterher. Ich lasse es mir aber nicht nehmen, noch ein paar Minuten liegen zu bleiben und in mich hineinzuhorchen.


Hinterher unterhalte ich mich noch ein bisschen mit Christoph und erzähle von meinem Blog. Mich interessiert, welcher Grundgedanke hinter diesem Yogastil steht, ob Spiritualität eine Rolle spielt und warum er mich so zurechtgewiesen hat. „Es stört den Ablauf und die Konzentration der ganzen Gruppe, wenn einer etwas anderes macht als alle anderen. Wer eine Pause braucht, der soll sich einfach still hinsetzen, so wie ich es am Anfang gezeigt habe. Spiritualität spielt bei uns überhaupt keine Rolle, hier geht es nicht um Erleuchtung sondern rein um die Gesundheit. Wir erklären kaum. Wer sich für den tieferen Sinn der Asanas interessiert, kann das alles in dem Buch „
Bikram Yoga“ von Bikram Choudhury nachlesen, das man auch in unserem kleinen Shop bekommt. Die Asanas wirken sowieso, das müssen wir nicht erklären.“

Während des Gespräches wird mir schon langsam etwas kühl und als ich mich auf mein Fahrrad setze, um nach Hause zu fahren, wünsche ich mir doch tatsächlich eine Jacke. Ich fühle mich entspannt aber auch ausgelaugt. Zu Hause wickel ich mich vor dem Fernseher in eine Decke und trinke eine Tasse heißen Yogitee mit Milch. Mein Mann schaut mich besorgt an und erklärt mich für verrückt. Er weiß ja auch nicht, was
ich die letzten zwei Stunden erlebt habe.

Mein Fazit:
Bikram-Yoga ist nur etwas für Hartgesottene mit einem stabilen Kreislauf. Wer seine Dehnbarkeit verbessern oder entschlacken will, für den können ein paar Stunden Bikram Yoga das Richtige sein.
Allerdings bleibt für mich fraglich, inwieweit es sich bei Bikram um „echtes“ Yoga handelt, da Spiritualität komplett ausgeklammert wird. Für mich gehört der Besinnungsaspekt einfach dazu, ob man nun an Gott glaubt oder nicht.
Die Praktiken des Gurus Bikram Choudhury sind sehr umstritten: Er hat Anspruch erhoben auf das Copyright der Bikram-Serie (die im Grunde nichts anderes ist als eine Abfolge von Asanas aus dem klassischen, jahrhundertealten Hatha-Yoga). Ohne Zertifikat (was nur von ihm ausgestellt werden kann und ihm in L.A. offensichtlich ein angenehmes Leben bereitet), darf niemand Teile davon unterrichten, und sie darf nicht in anderen Yoga-Stilen unterrichtet werden. Das hat weltweit zu Kritik und Diskussionen geführt. Nachzulesen zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Fragwürdig finde ich auch einige Aussagen des über 60-Jährigen wie die folgende: „Was auch immer Menschen über sich selbst denken, ist eine falsche Ich-Illusion. Ihr Leben ist ‚trash’. Ab dem Augenblick, in dem sie herausgefunden haben, dass sie stupide sind und ein ‚Scheiß Leben’ führen, sind sie verloren. Ich helfe ihnen, mit dieser Scheiße umzugehen.“ (Quelle: www.ursache.at). „Shit“ scheint eines seiner Lieblingsworte zu sein, wenn man Interviews von ihm und Berichte liest. Ich gehe wohl in Zukunft lieber in die Sauna.

Nächste Woche schaue ich mir mal als Kontrastprogramm „spirit yoga mitte“ an, laut dem World’s Luxury Guide von WELT ONLINE einer der besten Yogatempel weltweit.


Infos:

Sun Yoga Studio Kreuzberg
Mehringdamm 33

10961 Berlin

M33-Höfe, 1. Aufgang, 2. Etage

Tel. 695 655 22


Studio Friedrichshain

Torellstr. 7

10243 Berlin

www.bikramyogaberlin.de

Kurse (neu auch für Schwangere, traditionelles Bikram-Yoga und Hot Vinyasa): tägl. ca. von 10-21.30 Uhr (in Kreuzberg etwas mehr Kursauswahl); Starterpaket ohne Vertragsbindung: 10 Tage für 10 €, 12er-Karte 90 Min. (nur während des Starterpakets buchbar): 129 €, sonst 10er-Karte 90 Min. 129 €, für 60 Min. 99 €, Einzelstunde 12 € (60 Min.) oder 16 € (90 Min.), div. Monatskarten, Aboverträge, Ermäßigung für Schüler etc.

Retro-cool in Mitte

Schön, wenn man sich selbst auf die Schippe nehmen kann: „The Durags“ wurden aus einem Stück Formfleisch von Gott geschaffen und auf die Erde gesandt, um dem zunehmenden Niveauverlust populärer Musik entgegenzutreten. Auf der Erde angekommen wurden sie von Technojüngern, in einer Plattenkiste, bei einer Technoparty, in einem Plattenbau, gefunden. Aus Angst vor dem Jugendamt und ungemütlichen Fragen schleppte man sie in eine Höhle nahe Gütersloh und überließ sie sich selbst. Aus Mitleid hinterließen die Jünger den Säuglingen aber ein Notstromaggregat nebst zwei Plattenspielern, Mixer und Ableton Live. Die Kindheit verlief relativ laut, aber in völliger Dunkelheit. Das erklärt das nahezu perfekte Gehör und die soziale Inkompetenz von „The Durags“. Nach gefühlten zwei Jahren verließen die beiden mittlerweile postpupertären Gesandten ihre Höhle. Nahezu blind und ohne Orientierung, landeten sie letztendlich in Berlin. Nach einer Meinungsverschiedenheit, trennten sich die Wege dort, um nach wenigen Wochen, unter der Weltzeituhr, ihr neues Projekt zu starten: Die Legendären Durags! myspace.com/thedurags

...auch schön, vor allem der Name der Band: www.myspace.com/elektrohoden mit Hey hey schöner Szenetyp!

Kommentar der SZ dazu: „Mitte zu verarschen ist an sich auch wieder ziemlich Mitte-Style. Schließlich ist ironische Distanz zur eigenen Peergroup und eine gewisse Selbstreferenzialität das kennzeichnende Merkmal von jeglichem Hipster-Gedöns.“

Mein Lieblingswort der Woche wird dieses Mal wohl „Hipster-Gedöns“. Übersetzt:
unnötiges Treiben einer Subkultur.



Sonntag, 23. August 2009

Kunsthaus Tacheles

Gute Frage!Blick nach draußen



Der Skulpturengarten mit Werken u.a.
von Hüseyin Arda



Eine Welt aus Metall

Vorsicht Moskito!Stählernes Ross



Nimm's leicht!

Hoch hinaus Die Natur gestaltet mit

Rostiger RieseZahlreiche Künstlerateliers können besucht werden



Wunderschöner Treppenaufgang, schrecklicher Geruch

Ausstellungsraum Tim RoeloffsOben links hängt jetzt im Arbeitszimmer



„Liebe“ vor der Kulturbrauerei

Nach der Ausstellung im C/O Berlin bin ich am Wochenende auch auf die andere Straßenseite gestolpert und habe mir das Kunsthaus Tacheles näher angeschaut – ein schrecklich schönes Gesamtkunstwerk aus einer Mischung aus Bauwagenplatz, Abrisshaus, Graffitiwirrwarr, Open-Air-Kunst, Kunstkommune und Gammel (der Geruch im Treppenhaus war bestialisch). Besonders im Hinterhof bin ich auf das ein oder andere tolle Fundstück gestoßen. Begeistert haben mich hier die Metallskulpturen von Hüseyin Arda, dessen Projekt „Wörter für Berlin“ mir schon in der Kulturbrauerei mit „Liebe“ aufgefallen ist. Und einen echten Tim Roeloffs habe ich jetzt auch:

Quelle: www.roeloffs1.com

Da ich mir Versace (siehe unten) nicht leisten kann, hängt er jetzt an der Wand in meinem Arbeitszimmer.

Quelle: http://kunstmagazinberlin.de
Die Herbst-Winter-Kollektion 08 von Versace zierten die Kollagen von Tim Roeloffs.

Streetstyle: Stephan

Stephan habe ich gestern am Rosenthaler Platz getroffen. Seinen wunderbar entspannten Stil musste ich einfach festhalten.

Kitsch und Kunst, Fetisch und Fantasie:
Pierre et Gilles Retrospektive

Bilder (bis auf das erste): Pierre et Gilles
Quelle: www.taschen.com

Catherine Deneuve als engelsgleiche „La Reine Blanche“, Dita von Teese zwischen blutigen Messern als „Le dahlia noir – Moonlight“, CocoRosie zwischen Industrieanlagen und Fledermäusen oder Nina Hagen in Fesseln – wer für das französische Künstlerpaar Pierre et Gilles zwischen Plastikblumen und bemalten Leinwänden Portrait steht, weiß vorher, dass das Ergebnis alles andere als unschuldig daherkommt.

Gestern habe ich endlich Zeit gefunden, mir die Ausstellung im C/O Berlin im alten Postfuhramt anzuschauen – und habe Alpträume hinterher gehabt. Von einem kleinen blonden Jungen, der mit Engelsgesicht und stechenden grünen Augen sein blutiges Stoffschäfchen in Händen hält, getroffen mitten ins Herz, Krokodilstränen im Gesicht des Jungen. Doch das beeindruckendste des Bildes für mich – wie bei vielen anderen Bildern dieser Ausstellung – war neben dem Motiv, dem glänzenden Rot des Blutes oder der fantastischen Mischung aus Foto und Malerei – der Rahmen. Jedes Bild hatte einen individuellen Rahmen, mal schwarzer Glitter, mal goldener Barock, mal stählerne Hörner wie beim Dita-von-Teese-Bild. „Maman!“ – der Junge mit erstochenem Schäfchen – wurde umringt von... Tweetys, unendlich vielen, gelben, kleinen Tweetys.

Insgesamt waren die fast 90 Bilder der Retrospektive sehr geschmackvoll ins Licht gesetzt: rote Wände, schummriges Licht, jede Motivreihe chronologisch geordnet in einem neuen Raum, kein Plüsch außerhalb der Bilder. Erst wenn man ganz nah an die Bilder herankam, erkannte man die Mischung aus Fotografie und Acrylmalerei, die zur Schau gestellte Künstlichkeit: Was Pierre Connoy fotografiert, wird später von Gilles Blanchard von Hand retuschiert und koloriert. Da werden Schneeflocken eingesetzt, die Haut makellos, Tränen gezeichnet, eine apokalyptische Landschaft in den Hintergrund gesetzt. Die Protagonisten sind neben einigen Prominenten und Kindern hauptsächlich Schwule, Transvestiten, hübsche Jungen und Diven – inmitten ihrer Welt aus Plastik, Plüsch, Glitter und Fetisch. Das Ganze mit Anleihen aus Kunstgeschichte und Mythologie. Da tummeln sich griechische Götter neben Matrosen, Transvestiten neben Rockstars, Modedesigner neben Medusa, das alles leicht pornografisch (den ein oder anderen erigierten Penis findet man auch), parodistisch und provozierend.

Sehr treffend und schön fand ich dazu folgende Beschreibung in der „Zeit“: „Sie kokettieren eher mit der Tabuverletzung, wie ein Jugendlicher, der auf einer Familienfeier kurz die Hosen herunterlässt.“

Pierre et Gilles . Retrospektive
C/O Berlin
Oranienburger Str. 35/36 (ehemaliges Postfuhramt)
www.co-berlin.info

Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. September
Tägl. 11–20 Uhr
7 Euro Eintritt

Freitag, 21. August 2009

Jiiiiha – Durchberlin goes West

Schon seit meiner Winnetou- und Wendyphase will ich mal ein Cowgirl sein. Und siehe da, ich habe sie im ebay-Shop gefunden: Grau, nicht zu kitschig und super zu meiner Julia-und-Ben-Leggings passend.

Shoppingwahn

Kai vom Stylespion fragte diese Woche eine böse, eine ganz böse Frage: Angenommen, ich schenke euch 500 Euro, was würdet ihr kaufen? Oh, da kommen auf einmal so viele Wünsche hoch, die ich seit Wochen penetrant zurückschupse: „Ich habe kein Geld für euch, trollt euch, weg, pfui, kusch!“ Und dann schreibt Mahret auch noch einen Beitrag über ein Kleid, um das ich seit Wochen virtuell herumtanze, das Junction-Dress von Complex Geometries. Es ist so herrlich wandelbar und zeitlos und ein Traum in Grau und hat eine wunderbare Rückansicht und...!


Bilder: http://complexgeometries.myshopify.com

Und eine Tasche bräuchte ich dann auch noch dazu, wie wäre es mit einer
Marnie des Berliner Labels white capri – so ganz stilecht als alter Hitchcockfan?

Bild: white capri

Und dann gibt es da noch etwas, was ich sogar von der Steuer absetzen könnte, und sogar ganz dringend BRAUCHE: den Livescribe Pulse Smartpen. Das ist ein Kugelschreiber, mit dem man ganz traditionell Notizen macht (und das mache ich den ganzen Tag) und der gleichzeitig ein Diktiergerät ist. Nun das ist nichts Neues. Aber jetzt kommt's: Das kleine Wunderding speichert dank Spezialpapier die Notizen und synchronisiert sie mit der Audiodatei. Man muss dann nur noch auf ein Wort mit dem Kugelschreiber tippen und er spielt das ab, was genau zu diesem Zeitpunkt an Geräuschen aufgenommen wurde. Sowohl das Geschriebene als auch die Audiodatei lassen sich auf den Computer übertragen. Dazu gibt es ein Programm, das sobald man ein Wort anklickt, dass man geschrieben hat, dazu genau das abspielt, was genau in dem Moment aufgezeichnet wurde als man das Wort geschrieben hat. Toll – damit kann ich nicht nur Interviews aufzeichnen, sondern auch gleichzeitig meine Notizen über die Klamotten, Reaktionen und meine Gedanken während des Interviews. Und wenn ich an einer Stelle geschlafen habe, auch kein Problem – dann spule ich einfach schnell zurück, denn auf dem Notizblock gibt es unten kleine Symbole, die den Stift steuern: Record, Play, Pause, Spulen usw. Zusätzlich hat der kleine Wunderstift so nette Gimmecks wie einen Taschenrechner und einen Übersetzer (der Übersetzer soll noch nicht ausgereift sein): In jedem Block ist vorne ein Taschenrechner. Man tippt einfach mit dem Stift darauf herum und im Display erscheint das Ergebnis. Zusätzlich gibt es ein paar Aufklebertaschenrechner, die man überall hinkleben kann (ich überlege mir schon die ganze Zeit wohin: Kühlschrank? Aktentasche?). Man kann sogar seine eigene Klaviertastatur aufmalen und darauf spielen...
Brauch ich, muss ich haben. Und kostet auch nur (mit Spezialpapier ) € 159. Dann ist von den 500 Euro sogar noch was für das Kleid übrig :)



Bilder: www.unimall.de

Mittwoch, 19. August 2009

Im Test: Berliner Yogastudios
Iyengar Yoga Institut Berlin



Was ich bislang über Belur Krishnamachar Sundararaja Iyengar gelesen und gehört habe, hat mich tief beeindruckt. Der aus einer armen Familie stammende Inder litt während seiner gesamten Kindheit unter Malaria, Tuberkulose, Typhus sowie genereller Unterernährung. Seitdem er 15 Jahre alt ist praktiziert und lehrt er Yoga und entwickelte über die Jahre seinen eigenen Stil. Besonders bekannt ist dieser durch die vielseitige Verwendung von Hilfsmitteln wie Kissen, Stühle, Seile, Gurte, Matten oder Holzklötzchen, mit denen auch gehandikapte Schüler üben oder Gesunde die Intensität der Asanas steigern können. Auf jeden Fall legt er sehr viel Wert auf die exakte Ausführung der Übungen. Sein Buch „Light on Yoga“ gehört heute immer noch zu den Standartwerken, und zu seinen berühmten Schülern gehörten u.a. Aldous Huxley und die Königin Elisabeth von Belgien. Obwohl er seit 1984 nicht mehr regulär unterrichtet, gibt der heute 90-Jährige immer noch Stunden – und die sind berüchtigt dafür, dass er seine Schüler nicht schont. „Der Mann ist eine Legende – und ein wirklich harter Brocken. Er lehrt so manchen das Fürchten“, so beschrieb ihn mir Andreas Loh vom Ashtanga Yoga Palace vergangene Woche.

Mit einer gehörigen Portion Ehrfurcht schwinge ich mich also auf meinen Motorroller und fahre zum nahen Iyengar Yoga Institut Berlin. Ich habe mir eine Anfängerklasse bei der Heilpraktikerin und Yogalehrerin Claudia Böhm herausgesucht, die das Studio 1994 mitgegründet hat (erst 2006 spezialisierte sich das Studio auf Iyengar Yoga). Seit 1989 übt sie Iyengar Yoga. Am Anfang der Stunde sortieren alle ihre Matten im Raum – hier fällt sofort auf, dass jeder das Kopfteil seiner Matte zur Wand hin ausrichtet und alle sich Decken, Gurte und Klötzchen holen. Bislang habe ich dieses Equipment immer geflissentlich ignoriert. Für mich besteht der Reiz am Yoga darin, mit meinem eigenen Körper zu arbeiten.

Claudia und ihre Assistentin stellen sich kurz vor und beginnen die Stunde recht sportlich und stramm. Irgendwie erinnert sie mich an meine Sportlehrerin in der Schule. Nichts ist hier zu spüren von Räucherstäbchen- und Shanti-Shanti-Mentalität. Das hier ist Sport. Nach ein paar Runden Sonnengruß, in denen besonders exakt die Hand-, Fuß und Blickrichtung kontrolliert werden, fangen wir an mit einzelnen Dehnübungen. Sehr oft wird die Wand mit einbezogen, z.B. um sich im Dreieck hinten abzustützen und sich so intensiver und sicherer in die Dehnung zu begeben. Als der Schulterstand angekündigt wird, heißt es relativ streng von vorne: „Du da hinten, du brauchst auch noch drei Decken!“ Ich gehorche brav mit rotem Kopf. „Schulterstand, pah, den mache ich seit ich vier Jahre alt bin“, brummelt der kleine arrogante Trotzkopf in mir. Ich werde eines besseren belehrt. Mithilfe der drei Matten unter meinen Schultern (der Kopf liegt dabei automatisch weiter unten), muss sich mein Nacken weniger überdehnen, es lastet weniger Gewicht auf ihm und mehr auf den Schultern, und ich stehe so gerade im Schulterstand wie noch nie. Es ist ein ganz neues Gefühl, vor allem weil mein Nacken nicht nach zwei Minuten aufgibt. Ich könnte ohne Probleme die Asana fünf Minuten so halten – eine völlig neue Erkenntnis, die mir mal wieder beibringt, was beständiges Lernen und Demut bedeuten.

Nach der Stunde unterhalte ich mich kurz mit Claudia, und sie zeigt mir die anderen Räume. „Nach der Wende waren wir eine der ersten Yoga-Schulen im Ostteil der Stadt. Außer uns gab es hier nur Beate Uhse“, so erzählt sie mir schmunzelnd. Neben diversen Kinder- und Frauenkursen gibt es auch einen Termin für über 55-Jährige. „Iyengar Yoga ist durch die vielen Hilfsmittel, die wir einsetzen, besonders gut für therapeutische Zwecke geeignet. Wir haben extra Klassen, an denen auch Leute mit Bandscheibenvorfällen oder Herzerkrankungen teilnehmen können.“ Ich verabschiede mich von ihr und sehe ihr beeindruckt zu, wie sie ihren Motorradhelm aufsetzt und auf einer riesigen Maschine die Torstraße entlangdüst. Mein kleiner 50er-Roller guckt ihr ebenfalls neidisch hinterher.

Ich werfe noch einen letzten Blick in das Vorderhaus, in dem der „Yoga Mitte Laden“ untergebracht ist, und wo es neben umfangreicher Literatur auch besagte Hilfsmittel gibt. Und so eine Decke macht sich doch bestimmt auch ganz nett auf meinem Sofa, oder?


Fazit: Wer mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hat oder Yoga von der Pike auf lernen möchte, für den ist dieses Yogastudio das Richtige, denn ein Arzt und eine Heilpraktikerin können hier genau beraten. Es wird sehr exakt auf die Ausführung der Übungen geachtet, was das Verletzungsrisiko erheblich senkt. Die Atmosphäre ist eher reserviert-sportlich als kuschelig.


Nächste Woche wage ich es: Bikram Yoga im Sun Yoga.

Infos:
Iyengar Yoga Institut Berlin
Torstr. 126
10119 Berlin (Mitte)
Tel. 030-28 59 97 89
www.iyengar-yoga-berlin.de

Kurse (auch Pranayama, Kinder, Frauen, Schwangere und Senioren): Mo-Fr (meist um 10, 18 und 19 Uhr), Sa 11 u. 16.30 Uhr, So 10 u. 12 Uhr; Kinder 6 €, 60 Min. 9 €, 90 Min. 12 €, 120 Min. 15 €, Monatskarte ab 80 €.

Dienstag, 18. August 2009

Neuer Berliner Vintage Online-Shop:
Das Neue Schwarz

Meine Freundin Tanya hat gerade ihren neuen Vintage-Online-Shop „Das Neue Schwarz“ eröffnet. Liebevoll ausgesucht: Fashion, Möbel, Schmuck, Einrichtungsgegenstände und Taschen. Die Trillerpfeifenkette muss ich unbedingt haben! Meine Lieblingsstücke:







 
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