Freitag, 21. Juni 2013

9. Yogafestival Berlin 2013

Der Kulturpark Kladow ruft in mir jedes Jahr wieder Begeisterung für diesen wunderschönen Ort hervor. Die Havel im Hintergrund, die Nähe zum Wasser, die alten Bäume um die Wiesen herum, die Vögel zwitschern und die Großstadt scheint unendlich weit weg... Jedes Jahr atme ich hier beim Yogafestival wieder auf und lade die Batterien auf. Und so auch am letzten Wochenende.

Das Programm hielt mal wieder einiges parat. Wenn man allerdings bereits seit ein paar Jahren kommt, war leider recht wenig Neues dabei. Vorwiegend Berliner Yogalehrer gaben sich die Klinke in die Hand. Aufgefallen ist mir, dass besonders die auswärtigen Lehrer, wie Nanda Kumar aus Indien und Malaysia (Iyengar Lehrer) und Michael J. Stewart (http://www.lokavidu.com/) aus Mexiko/USA, weit weniger spirituell hantierten als die Lehrer aus Deutschland. Es ist sehr angenehm, wenn sich Michael auch mal über die Wichtigkeit von Pranayama lustig macht ("Nehmt die rechte Hand für Nadi Shodhana oder ihr sterbt."). Genau seine Art, auch einmal über Yoga zu lachen, während der anstrengenden Kriegerposition zu brüllen "I am a peaceful warrior" und immer wieder auch zu lachen und etwas zu lösen, macht ihn jedes Jahr zu einem der beliebtesten Lehrer.

Ansonsten war ich wie immer sehr begeistert von Stines ruhiger Art (http://spirityoga.de/), der kraftvollen Ganesha Klasse von Rachel Zinman (sehr schöne Verwendung von Mudras), der Acro-Yoga-Stunde von Lucie Beyer und Almuth Kramer (bei Almuth war ich erst kürzlich im YogaRaumBerlin und werde im Rahmen meiner Testreihe mal wieder berichten demnächst) und der immer wieder verzaubernden Gong-Meditation mit Nanak Dev Singh, die dieses Jahr mit Reggae und Tanzen endete. Yeah! Fazit: Yoga macht besonders Spaß, wenn man sich selbst und eben auch Yoga nicht so wichtig nimmt. Über sich selbst lachen zu können, ist eine äußerst angenehme Eigenschaft. Einfach genießen!

Partneryoga mit Kai Ribéreau

 Traumhafter Ausblick auf die Havel im Kulturpark Kladow

 Jetzt weiß ich, woher mein Sonnenbrand kam
 Ganesha Klasse mit Rachel Zinman: Starke stehende Asanas
 "Lege das Bein auf deinem Nachbarn ab"
 Utthita Parsvakonasana
 Andreas Loh, den ich bereits vor einiger Zeit kennenlernen durfte, begleitete später noch am Klavier
 Laaaaaaang strecken!
 Und alle im Herabschauenden Hund
 Tom Beyer demonstriert die Beweglichkeit im Schultergelenk und wie man da mehr Platz schafft
 Acro Yoga – immer wieder ein riesen Spaß. Almuth Kramer als Spotter. Lucie Beyer als Flieger
 Und alle Varianten möglich


 Wie komme ich da hoch? Hauptsache lächelnd!
 Jiiiiiha! Lucie macht Schabernack
 Auch Mudras mit eingebaut. Hier den Lotus
 Und Almuth fliegt
 Oder zum Bogen binden


 Abschließend macht einer die "Massageliege"
 Auch sehr entspannend für den, der oben ist: der Hippy Twist
 Entspannen mit Michael J. Stewart
"Ich weiß. Ihr fragt euch schon die ganze Zeit, wann endlich der Gong kommt!" Gleich...

BIS ZUM NÄCHSTEN JAHR!

Montag, 29. April 2013

Yoga und Kritikfähigkeit – Glorifizierung vs. Begeisterung

Ich habe lange nichts mehr geschrieben. Das hat sicherlich viele Gründe: Allen voran die vielen Veränderungen in meinem Leben, mein eigentlicher Beruf als Journalist, der mich stark fordert, aber vor allem meine vielen Fragezeichen, wie ich mit dem Thema Yoga in Zukunft umgehen soll. Nicht zuletzt meine eigene Yogalehrerausbildung, aber allem voran die Ereignisse rund um John Friend und die große Krise im Anusara-Yoga und die vielen kritischen Fragen eines mir wichtigen Menschen, haben mich die ganze Yogawelt mit neuen Augen sehen lassen.

Für Außenstehende kann Yoga etwas Gefährliches haben, etwas Sektenhaftes. Ich habe das oft bestritten, oft weggeschoben. Nicht bemerkend, dass ich längst Teil dieser Yogawelt bin und schon längst yogisch spreche und denke. „Nein, ist doch nicht so. Das sind nur Extremfälle.“ Doch so langsam haben sich über die vielen Dikussionen, die ich darüber in den letzten Monaten geführt habe, die Fragezeichen gemehrt.

Was ist es, dass Yoga zu mehr macht als Sport? 

Oder zu einem Mehr als Atemübungen+Sport+Konzentrationsübungen? Ich habe versucht, darauf Antworten zu finden – und wurde niedergeschmettert mit durchaus berechtigten Einwänden: „Beim Joggen findest Du auch Momente der Ruhe. Das entspannt auch.“ „Du hörst Dich an, wie ein Prediger.“ Sogar die Yoga aktuell brachte einen Beitrag dazu, dass in vielen Leistungssportdisziplinen Übende etwas von erhebenden Momenten und Flow-Momenten berichteten. Das alles, was ich meinte originell im Yoga gefunden zu haben, war alles andere als originell. Als ich mich mit klassischer Philosophie begann auseinanderzusetzen, merkte ich, dass vieles aus der sogenannten „Yogaphilosophie“ einfach schamlos geklaut war (meist dabei verflacht)... bei den Stoikern, bei Aristoteles, bei Marx. Oder verkauften da manche etwas als neu, stempelten Yoga drauf, nur um ihr Buch an den Mann/die Frau zu bringen? Da wurden ganze Bücher hineingedeutet in die drei Worte „sthira sukham asanam“. Diese (schönen) schlichten drei Worte wurden zu einem ganzen philosophischen Überbau, in den dann auch noch unsere moderne westliche Welt passen sollte.

Wann wurde Yoga zur Geschäftsidee?

Und ich begann, kritisch hinzusehen und zu hinterfragen. Und zum Teil wurde ich sauer, was plötzlich alles den Stempel Yoga bekam und damit zum Verkaufsschlager wurde. Alles wurde Yoga: Ernährungsvorschriften, Kochbücher verkaufen sich besser damit, Die Yogadiät, das gute alte Kinderturnen verkauft sich jetzt als Kinderyoga, aufgepeppt mit teilweise fragwürdiger Esoterik, Akrobatik wurde zu Acroyoga (was zugegebenermaßen Spaß macht, aber nichts mehr mit Yoga zu tun hat), Outdoor-Yoga, Bikram-Yoga (provokativ: Sauna + Yoga), Yoga gegen „schlaffen Po“, „Tränensäcke“, „Reiseangst“, „Schienbeinkantensydrom“, „Gebrochenes Herz“, „Diabetes“ und ADHS. Jeden Tag könnte ich eine neue Yogarichtung üben. Yoga kann einfach ALLES und ist ALLES. Und es birgt das gefährliche Versprechen, sich mit diesem ALLES zu verbinden (und aufzulösen?). Diese Überschätzung, diese Glorifizierung, dieser hahnebüchene Größenwahn begann mir zu stinken – wie ein faules, vergessenes Osterei, dessen Geruch man noch nicht orten und bestimmen kann, dass aber eine steigende Übelkeit verursacht.

Das ging „sogar“ soweit, dass ich anfing, einmal genau hinzuhören, was (berühmte und weniger berühmte) Yogalehrer da vorne wirklich erzählen. Und ich begriff, warum so viele von ihnen verneinten, wenn ich sie darum bat, für private Zwecke auf mein Diktiergerät mitschneiden zu dürfen. Vieles davon strotzt vor Situationskomik, wenn man es wörtlich nimmt. Und ich begriff, warum mein oben genannter "Kritischer Freund" Yoga als Sekte bezeichnete. Manche Yogalehrer schaffen es, ihre Schüler so einzulullen mit ihrer Art und der völlig von sich überzeugten Wichtigkeit, dass sie da vorne – entschuldige bitte lieber Leser – gequirlte ... für Gold verkaufen: „Und im Shop könnt ihr mein neues Buch, DVD, Workshop etc. erwerben. Ich signiere auch gerne.“ Ich musste ehrlich gesagt manchmal anfangen zu kichern, so albern waren die Poesiealbumsprüche. „Umarme dein inneres Kind!“ „Gib dir selbst die Mutterliebe, die du immer vermisst hast!“ (Hier wurde ich regelrecht sauer, woher will die da vorn das wissen?). Und in Englisch geht es meist noch besser und theatralischer, weils keiner versteht: „Breath like the waves of the ocean!“ „Find your inner goddess!“ Inbrünstig: „Feeeeeeeeeeel the energy.“ Und dann immer wieder gern in der Taube, als Hüftöffner, wo ja, wie jeder Mediziner weiß, meine angestauten Gefühle sitzen: „Nimm den Schmerz an, als einen Teil von Dir!“ Und immer wieder SEI IM HIER UND JETZT, HIER UND JETZT, HIER UND JETZT. Ich sollte mich mit allen um mich herum verbinden. Nach solchen Yogastunden umarmen sich die Leute gern und lächeln viel. Doch frag dann mal allen Ernstes jemanden, ob er Dir nächstens Wochenende beim Umzug in den 5. Stock hilft. Schwupps sind alle weg, und mit der Verbindung ist es vorbei. So Sarkasmus aus.

Ich begann mich zu fragen, was denn wirklich der Unterschied zwischen manchen Yogastunden, Gehirnwäsche, religösem Kitsch und einer Sekte ist. 

Und die ehrliche Antwort darauf: Nichts. Es gibt eben solche und solche Yogalehrer. Genau wie es gute Köche und schlechte Köche gibt. Manches ist dann auch noch Geschmacksache. Und manches ist gesundheitsgefährdend. Nämlich dann, wenn der da vorn nicht sein Handwerk versteht oder meint, Arzt und Psychotherpeut ersetzen zu können. Ehrlich gesagt, hatte ich langezeit daraufhin keine Lust mehr, selbst zum Yoga zu gehen. Ich begann sehr reduziert zu unterrichten. Nur noch korrekte Ausrichtung und Atmung anzusagen.

Versteht mich nicht falsch: Aus einer guten Yogastunde gehe ich immer noch mit einem Lächeln, mein Körper fühlt sich an wie neu geboren und ich bin entspannt und gelöst. Aber ich habe auch anfangen zu laufen (und einen Halbmarathon geschafft), spiele ab und an wieder gern Badminton, schlafe am Sonntag gern mal lange aus, bekomme keine Gewissensbisse, wenn ich mal drei Wochen nicht beim Yoga bin, und weiß die kritische Meinung eines wahren Freundes mehr zu schätzen als einen Posiealbumsspruch, der meint die Welt sei schon so in Orndung wie sie ist. Denn manchmal ist sie es eben nicht. Und manchmal wird man durch so ein einlullendes Wellnessyoga blind gegenüber historischen Hintergründen, politischer Ungerechtigkeit, realem Weltgeschehen, dem Schmerz deines Nachbarn. Dann ertappt man sich dabei, einer Freundin mit Liebeskummer Asanatipps zu geben, statt zuzuhören. Denn in irgendeiner verklärenden Blase zu leben, in einer schicken Scheinwelt, in der sich die Mitte-Hipster und gelangweilten Prenzlauer-Berg-Mütter dehnen und 70 Euro für 2 Stunden eines USA-Yoga-Gurus löhnen können – das kann verdammt nach Sekte aussehen. Ich empfehle JEDEM einmal, diesen Perspektivwechsel nach außen. Dann merkt man manchmal, wo die eigentlichen Probleme liegen, wo man angefangen hat, mit Yoga eine Bettdecke über sich zu ziehen, statt das wahre Problem anzugehen.

Seitdem sage ich meinen Yogaschülern immer wieder: Du bist verantwortlich für deinen Körper und deine Psyche, nur du kannst entscheiden, was jetzt richtig ist, was zu viel und was gut tut. Lass dir von niemandem was anderes erzählen. Yoga als einziger Sport ist zu einseitig. Probiers mal mit Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Wenn dir etwas weh tut, geh zum Arzt. Ich kann dir nicht sagen, wie du dein Leben leben sollst. Ich kann nur zuhören, aber das kann ein guter Freund von dir sicher besser. Und lies mal wieder ein gutes Buch (Tipp: „Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens“), geh an die frische Luft, koch dir was richtig Leckeres, triff dich mit einem Freund, ruf deine Mutter an, mach deinen Job richtig gut – und mal ehrlich, die Lösung auf dein Problem hast du doch längst selbst gefunden.

Montag, 11. Juli 2011

Im Interview: Shubhraji
About Vedanta and Life

Shubhraji Home Yoga Berlin Vedanta

Ihre Vorträge waren mit das Beste, was ich auf dem Yogafestival je über Historie und Philosophie des Yoga gehört habe. Shubhraji wurde in Indien geboren und ist eine international geschätzte Vedanta-Lehrerin. Diese Richtungen der indischen Philosophie heißt wörtlich übersetzt „Ende des Veda“, d.h. der als Offenbarung verstandenen frühindischen Texte. Sie verdankt ihren Ursprung keiner Person oder Propheten, sondern gilt als Essenz des vedischen Wissens. Im Mittelpunkt stehen die kosmische Einheit und der Weg zur Verwirklichung unserer göttlichen Natur, für ein Leben in Fülle und inneren Frieden. Bereits Anfang Juni traf ich Shubhraji bei Home Yoga, hörte mir einen Vortrag über „Living with Non Attachment“ an und durfte ihr abschließend ein paar Fragen stellen. Mich interessierte vor allem ihre Interpretation der Veden für heutige Westler, die mit der Existenz Gottes manchmal hadern. Und last but not least stellte ich ihr die Frage, die man doch ganz ehrlich jedem Guru gern stellen möchte – was ist der Sinn des Lebens?

Her lectures were the best I've ever heard at the Yoga Festival about the history and philosophy of yoga. Shubhraji was born in India and is an internationally acclaimed teacher of Vedanta. This direction of Indian philosophy literally means "end of the Veda", understood as a manifestation of early Indian texts. It doesn't came from any person or prophet, but is regarded as the essence of Vedic knowledge. It focuses on the cosmic unity and the way of realizing our divine nature, peace for a life of abundance and inner. In early June, I met Shubhraji at Home Yoga, I heard a lecture on "Living with Non-Attachment" and finally asked her some questions. I was particularly interested in her interpretation of the Vedas for modern Westerners who doubt the existence of God sometimes. And last but not least, I asked her the question that quite honestly would like to ask any guru - what is the meaning of life?

Were did you learn the things you teach?
My main teacher was my guru his holiness Swami Chinmayananda. I met him in India when I was about 14 years old. I was not seeking a guru. I was more or less atheistic, because I lost my father at a young age. So I met him, I was not really looking for something, but something touched me about his presence. And I started listening to the Bhagavad Gita. He used to speak in English. I had studied in a convent school. So this was the beginning of my spiritual journey. And over the years master Chinmayananda stayed in my house when he was not travelling. So 20 years I had a association with him. I learned many from him. And there was one other teacher who used to speak in Hindi, this was Swami Akhandananda from Vrindavan. He founded the Anand Vrindavan, which is a well-known Ashram in Vrindavan. He was very very famous in India but he never went out of India. He was a great authority about Shrimad Bhagwat, Gita, Ram Charit Manas and Upnishads of the Vedanta. He also taught me about love. So these are my two main teachers and two wonderful spiritual beings when I was young.


What are the differences about teaching people in Germany, India or US?
Everywhere people have certain different cultural backgrounds. But they are seeking the same things. I like teaching in Germany because I think here they are intellectual, but also the Yoga community that they have developed is really great. So I enjoy teaching in Germany. In America there is a lot of spiritual information available. But Indians are a little different. They already know many stories and theory but the same time they still are kind of ashamed by the scriptures. So sometimes they are not so open. But now the are beginning to blend the east and the west. They are beginning to become more open, because of the west has embraced the spirituality from the east. They are becoming more open about their emotions which they never used to be. Its a wonderful experience.

The theme today was Non Attachment. When everything is changing, even myself is changing – I know I am not the same person like some years ago, even not 10 minutes ago – how can I be sure that there is something infinite?

Very good question (pause – in the background in this moments started without any reason a CD-player. „I know, this is our energy“ smiled Shubhraji). Everything is changing. But there is something constant, someone constant who is observing on the change. It is the same you in childhood, the same you in youth, the same you adult, middle age and so on. All your experience is you are a wealth. Your mind is changing, your mood is changing, even your personality is changing in many ways. But there is something within you which is constant, changeless, which is aware of this changing. That is what we call the life-principle. That is what vedanta says is eternal. And then there is the atman, the self. And inherently that self is the same energy principle from which the whole world has come from. And because we are in spiritual ignorance we forget who we are. And we identify with all that is external and changing. So we are observing: I am changing, but I am aware of that change. And that is pure, limitless, changeless, eternal, happy. That never changes. It is the source within you.


How can I find it?

(she smiles and takes a deep breath) ... by going deep and in quiescency to whom to is all this change coming, to who is aware of it. And what is the nature of this awareness and when you reflect deeply. And that is what the scriptures are pointing to, to the nature of consciousness. And they are helping us to find it – by seperating all that is changing and moving away from that. Being in it, not running away! But observing it and not letting our happiness depend on something that is impermanent. When you understand what is permanent, changeless and always with us, no one can take the happiness away. Unless we allow it.

Why is it so hard for people to let go the things they are attached with?

The main thing is that it is a habit. It is a groove. When I think about something then there is a channel. And the more and more I think about it, it becomes deeper. When I have this misconception that this thing or object or person is giving me something, some joy, then I become dependent on it. I like the experience. So even though I know it may not be good for me. So let say as an example I know that sugar is not good for me, but the taste of sugar is joyful for me. So I become attached, and to let it go becomes difficult. It is difficult because I have the idea that it is giving me some joy. But I don't look at the whole picture. But when I really see, that the joy that I feel when I am in contact with that object is not really coming from the object but is already in myself, my mind is quiet, it just shines. The same object can give me joy but doesn't give you joy. So it means that the joy is within me. And I don't know it because my attention is on the object.


Why is it sometimes harder to let things go that are not good for me, like fear, anger or hate?

One thing is that we have become comfortable in the known emotions and facts. We are in our comfort zone. So it is easier to deal with these negative emotions than to try and work hard and trust – to believe that there is something where I can be without that fear. There are no answers right away. It becomes so naturally because I had some conditioning of the mind which has been done for so long. It becomes very hard to let it go because I haven't experienced – even though the scriptures tell me – that there is something great and devine. My knowledge is based on my experience. I haven't gently experienced what the scriptures say, that you are devine, that you are all blessed. I am experiencing myself only as my limited being, my condition. So I take that to be real. And once I believe in that reality I am afraid, scared to move into another dimension. The teaching of vedanta and yoga is pointing to something which is another dimension, which is beyond the mind, which is asking us to trust, to give up all these conditionings. So naturally the other way is easier, this is normal. What the scriptures are telling me is against my direct experience. So until I meet a teacher in the life teaching who can unravel and show me the words of the scriptures are alive and living and they can be lived and that I can experience myself as that being that is okay no matter what – only through that knowledge and that direct experience I can be rid of that shift.


If everything is one and we are not attached to things, thoughts, our egos and persons – we should love but we shouldn't be attached – what is the sence of life? Why should I live?

Good question. You are experiencing life in all different facets. Attachment simply means that I don't project my idea of happiness to come from something external. It doesn't mean that I can't enjoy life. We are here in life, we are not asking you to run away. In the Bhagavad Gita Arjuna was told by Krishna: „Don't run away, be here and face your life!“ So in fact we are saying: We are here for a reason. We didn't come here just by an accident. Each one is given the field to experience their life and resolve the issues. And only by being in that field and living in an intelligent way can we resolve our issues, in the spiritual way we say: exhaust the kalmals. When we live completely we enjoy every experience and we know everything is changing. But when we engage in it fully we participate in live. We get the total joy but we are not holding onto anything because the next thing is coming. It gives you a sence of freedom. The purpose of life is to obey within your joy, to be free and to realise that all that you are seeking is already here.


Wo hast Du die Dinge gelernt, die du heute unterrichtest?
Mein Hauptlehrer war mein Guru, seine Heiligkeit Swami Chinmayananda. Ich traf ihn in Indien als ich ungefähr 14 Jahre alt war. Ich hatte nicht nach einem Guru gesucht, ehrlich gesagt war ich mehr oder weniger atheistisch, da ich meinen Vater sehr früh verloren hatte. Als ich meinen Guru traf, suchte ich nicht wirklich nach etwas, aber irgendetwas an seiner Erscheinung berührte mich. Und ich begann seinen Erklärungen zur Bhagavad Gita zuzuhören – er sprach übrigens in Englisch. Ich hatte an einer Klosterschule gelernt. Das war also der Anfang meiner spirituellen Reise. Über die Jahre blieb Meister Chinmayananda in meinem Haus, wenn er nicht gerade unterwegs war und reiste. 20 Jahre lang dauerte unsere Verbindung. Ich habe wahrend dieser Zeit viel von ihm gelernt. Es gab noch einen zweiten Lehrer, der mich auf Hindi unterrichtete, das war Swami Akhandananda aus Vrindavan. Er gründete u.a. Anand Vrindavan, das ist ein sehr bekannter Ashram in Vrindavan. Er war sehr, sehr bekannt in Indien, aber er hat das Land nie verlassen. Er war eine große Authorität für die Shrimad Bhagwat, die Gita, die Ram Charit Manas und die Upanishaden der Vedanta. Er brachte mir auch vieles über die Liebe bei. Das waren also meine beiden Hauptlehrer als ich jung war, zwei wunderbare spirituelle Wesen.


Was sind die Unterschiede, Menschen in Deutschland, Indien oder Amerika zu unterrichten?

Überall haben die Menschen unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Aber sie suchen überall die selben Dinge. Ich mag es in Deutschland zu unterrichten, ich denke hier sind die Menschen sehr intellektuell. Aber auch die Yoga-Community, die sich hier entwickelt hat, ist wunderbar. Ich mag es wirklich, hier zu unterrichten. In Amerika sind viele Informationen über Spiritualität erhältlich. Aber in Indien ist es ein wenig anders. Viele dort kennen die Geschichten und Theorien, aber viele schämen sich irgendwie für die alten Schriften. Deswegen sind manche nicht wirklich offen. Aber nun vermischen sich Osten und Westen. Auch der Osten öffnet sich mehr für seine eigene Geschichte, weil der Westen die östliche Spiritualität übernimmt. Deswegen öffnen sich die Inder auch mehr für ihre eigenen Emotionen, was sie nie gewohnt waren. Das ist eine wunderbare Entwicklung.

Das Thema heute war Nicht-Anhaftung. Wenn sich alles immerzu ändert, selbst mein Ich ändert sich pausenlos – ich bin nicht mehr dieselbe wie vor einigen Jahren, nicht mal die selbe wie vor 10 Minuten – wie kann man da sicher sein, dass es etwas Ewiges und alles Überdauerndes gibt?
Sehr gute Frage (Pause – in diesem Moment springt im Hintergrund ohne erkennbaren Grund der CD-Spieler an: „Ich weiß, dass ist unsere Energie“, so Shubhraji verschmitzt). Alles ist in ständiger Veränderung begriffen. Aber es gibt etwas Konstantes in Dir, jemand Unveränderliches, der diese Veränderung wahrnimmt. Das ist dasselbe Du in Deiner Kindheit, dasselbe Du in Deiner Jugend, als Erwachsener, in den mittleren Jahren und so weiter. Deine Wahrnehmung ist, dass Du eine Fülle in Dir trägst. Dein Geist ändert sich, Deine Stimmung ändert sich, sogar Deine Persönlichkeit verändert sich in vielen Bereichen. Doch es gibt etwas in Dir, das konstant ist, unveränderlich, dem diese Veränderung bewusst wird. Das ist es, was wir das Prinzip des Lebens nennen. Das ist es, von dem die Vedanta sagt, das es unendlich ist. Und dann gibt es den Atman, unser Selbst. Und von Natur aus stammt dieses Selbst aus derselben Energie, aus der die ganze Welt entstand. Weil wir in spiritueller Ignoranz leben, haben wir vergessen, wer wir sind. Und deswegen identifizieren wir uns mit all diesen Dingen, die außerhalb unseres wahren Selbst sind und die sich verändern. Wir nehmen war: Ich verändere mich, aber ich bin mir doch dieser Veränderung bewusst. Und in diesem Bewusstsein liegen Reinheit, Unbegrenzheit, Unveränderlichkeit, Ewgikeit und Glück. Das ändert sich nie. Das ist die Quelle in Dir.


Wie kann ich sie finden?

(Sie lächelt und nimmt einen tiefen Atemzug) ... indem Du tief und in Stille dorthin gehst, zu Deinem wahren Selbst, das diese Veränderungen wahrnimmt. Du nimmst die wahre Natur dieser Veränderungen wahr und reflektierst diese Erfahrungen auf einer tiefen Ebene. Und das ist es, worauf die Heiligen Schriften hinweisen: auf die Natur des Bewusstseins. Die Schriften helfen uns dabei, sie zu finden – indem sie unterscheiden, was sich verändert und was ewig ist. So zu leben, nicht davor wegzurennen, aber es zu beobachten und nicht zuzulassen, dass unser Glück von etwas abhängt, das unbeständig ist. Wenn Du verstanden hast, was beständig ist, unveränderlich und immer in Dir, dann kann Dir Dein Glück niemand mehr wegnehmen, solange Du es nicht zulässt.

Warum ist es so schwer, Dinge loszulassen, an denen wir anhaften?
Der Hauptgrund ist, dass es zu einer Gewohnheit geworden ist, einer Lebensfurche. Wenn ich ständig an etwas denke, dann wird es zu solch einer Furche, die sich in meine Gedanken eingräbt. Und je mehr ich daran denke, desto tiefer wird sie. Wenn ich dieses Missverständnis habe, dass dieses Ding oder diese Person mir etwas gibt, das mir Freude bereitet, dann werde ich abhängig davon. Ich mag dieses Erlebnis, sogar obwohl ich weiß, dass es mir unter Umständen gar nicht gut tut. Nehmen wir mal als Beispiel, ich weiß, dass Zucker nicht gut für mich ist, aber der Geschmack bereitet mir Freunde. Und dann entwickel ich eine Anhaftung, und es wird schwer für mich, es sein zu lassen. Es ist schwer, weil ich die Idee habe, dass es mir Freude bereitet. Aber ich sehe nicht das ganze Bild. Denn wenn ich wirklich erkennen würde, dass die Freude die ich empfinde beim Genuss des Zuckers, nicht wirklich vom Zucker stammt, sondern bereits in mir ist, dann wäre mein Innerstes ruhig und freudvoll. Ein und dasselbe Ding kann mir Freude bereiten und Dir nicht. Also kann die Freude ja nicht aus dem Objekt heraus kommen – sie entsteht in uns. Ich erkenne das nur nicht, weil meine Aufmerksamkeit nicht bei mir ist, sondern bei dem Objekt meiner Begierde.

Warum ist es manchmal sogar schwerer von Dingen und Gefühlen loszulassen, die mir offensichtlich nicht gut tun, wie Angst, Wut oder Hass?
Die eine Sache ist, dass wir es uns bequem gemacht haben in unseren bekannten Gefühlen und Tatsachen. Wir sind in unserer Komfortzone. Daher wird es einfacher für uns, mit diesen negativen Gefühlen umzugehen, als zu versuchen sie zu überwinden, was harte Arbeit und Vertrauen bedeuten würde – an etwas zu glauben, wo ich ohne diese Angst sein kann. Dafür gibt es keine sofortigen Antworten. Diese Gewohnheiten sind so natürlich geworden, weil mein Geist so lange schon
darauf konditioniert ist. Es ist sehr schwer, sich davon frei zu machen, weil wir es nie anders erfahren haben – sogar obwohl uns die Heiligen Schriften etwas anderes erzählen: dass es etwas Großes und Heiliges gibt. Aber mein Wissen beruht auf meiner Erfahrung. Ich habe nie sanft erfahren, was die Schriften sagen: dass ich göttlich sei, gesegnet. Ich habe mich nur immer als begrenztes Wesen wahrgenommen, mein Befinden. Und so sehe ich das als real an. Und wenn man einmal an diese Realität glaubt, dann hat man Angst, man fürchtet sich davor, in andere Dimensionen zu gelangen. Die Lehren der Vedanta und des Yoga weisen auf diese anderen Dimensionen hin, die jenseits des Verstandes sind, die von uns verlangen, Vertrauen zu haben, unsere Konditionierungen aufzugeben. Deswegen ist der andere Weg natürlich einfacher. Denn was die Heiligen Schriften mir erzählen, widerspricht meinen Erfahrungen. Bis ich einen Lehrer finde, der das entwirrt, diese Worte mit Leben erfüllt, mir zeigt, das man nach ihnen leben kann und dass ich mich selbst als okay akzeptieren kann – egal was passiert – nur durch diese Weisheit und diese direkte Erfahrung kann ich mich von dieser Realitätsverschiebung frei machen.

Wenn alles Eins ist, und wir frei geworden sind von Anhaftung an Dinge, Gedanken, unseren Egos und Menschen – wir sollten andere ja lieben aber nicht an ihnen anhaften – was ist dann der Sinn des Lebens? Warum sollte ich dann überhaupt leben?
Gute Frage! Du erlebst Dein Leben in allen seinen Facetten. Anhaftung zu vermeiden, meint dabei nur, nicht meine Vorstellung von Glück auf Dinge zu projizieren, die außerhalb meinerselbst sind. Es meint nicht, das Leben nicht zu genießen. Wir sind hier in unserem Leben, ich rate Dir nicht, davor wegzulaufen. In der Bhagavad Gita sagt Krishna zu
Arjuna: „Renn nicht weg! Sei hier, und stelle Dich Deinem Leben!“ Deswegen sagen wir: Es gibt einen Grund dafür, dass wir hier sind. Wir sind kein Unfall. Jedem von uns ist die Möglichkeit gegeben, sein Leben zu erfahren und seine Probleme zu lösen. Nur indem man an seinem Leben teilnimmt, in einer intelligenten Art und Weise, kann man seine Probleme lösen. Im Vedanta sagen wir: die kalmals ausmerzen (Anm.: alles was flatterhaft, unruhig und ruhlos ist). Wenn wir ganzheitlich leben, dann genießen wir jede Erfahrung und wissen dennoch, dass alles sich ändert. Aber wenn wir uns ganz darauf einlassen, dann nehmen wir am Leben wirklich teil. Dann erfahren wir die ganze Freude, aber wir halten an nichts fest und wissen, dass alles sich fügen wird. Das gibt einem ein Gefühl von Freiheit. Die Aufgabe des Lebens ist, in Freude zu leben, frei zu sein und zu realisieren, dass alles, was Du suchst, schon längst da ist.

Freitag, 10. Juni 2011

Im Interview: Cindy Lee
About OM

Cindy Lee von OM YOga New York in Berlin
Auf einem kleinen College in Kalifornien, das sie als etwas „exzentrisch“ beschreibt, besuchte Cindy 1971 ihre erste Yogaklasse. Die folgenden Jahre widmete sie zunächst ihrer Karriere als Tänzerin und Choreografin u.a. für Musikvideos von Rick James, Simple Minds, Appolonia, dem Dirty Dancing Soundtrack – z.B. auch Cyndi Lauper’s „Girls Just Want to Have Fun“. 1998 gründete sie das OM Yoga Center New York, das inzwischen etwa 25 Lehrer beschäftigt (65 Asana-Klassen pro Woche). Cindy Lee praktiziert neben Vinyasa-Yoga auch tibetischen Buddhismus, der in ihren Yogaunterricht einfließt. All das hat mich natürlich neugierig gemacht, und so besuchte ich in dieser Woche zwei ihrer Open-Classes im moveo Yogastudio.

Während dieser fast vier Stunden lernte ich vor allem ihren unglaublichen Humor schätzen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie ernst manche Yogastunden werden und wie verbissen man manchmal zwischen den Zähnen hindurch keucht: „Ich mach das hier, um glücklich zu werden... verdammt nochmal!“ Cindy hat es geschafft, uns daran zu erinnern, wie „weird“ manche Yogahaltungen sein können. Und um unsere Aufmerksamkeit in der Gegenwart zu verankern, baute sie viele kleine Überraschungen in die Praxis ein: Wir schnipsten mit den Fingern in Seitliegestütz/Vasisthasana, beugten beide Knie abwechselnd im Halbmond/Ardha Chandrasana, suchten unsere „dots of awareness“ (Töne, Gerüche, Berührungen und andere Fixpunkte für unser Bewusstsein), kamen ohne die Hände zu benutzen aus Gomukhasana und Ardha Matsyendrasana in den stehenden Spagat (Cindy gab sich Mühe, das Wort „Kuhkopf“ zu lernen, sie wolle das zukünftig gern in Unterhaltungen einbringen), übten uns im Handstand, kombinierten Wechsel- und Feueratmung, versuchten unsere Schultern nach unten zu bringen („Ah, you do have a neck! It looks like a tortoise coming out of its shell“), sangen das OM in der Kobra, versuchten Adlerbeine im Kopfstand zu machen, fingen den Atem in unseren Fäusten ein und ließen ihn ausatmend wieder frei (das Ganze in der dynamischen – d.h. in diesem Fall die Beine heben – unterstützten Brücke/Setu Bandha Sarvangasana), benannten die Happy-Baby-Pose in died-a-natural-death-bug-asana um, lauschten den Vögeln und atmeten uns ins Hier und Jetzt („You can't breath later!“). Danach hatte ich die Gelegenheit, Cindy ein par Fragen zu stellen:

On a small college in California, which she describes as something "eccentric", Cindy visited her first yoga class in 1971. The following years she devoted to her career as a dancer and choreographer for example for music videos by Rick James, Simple Minds, Appolonia, the Dirty Dancing Soundtrack – and Cyndi Lauper's "Girls Just Want to Have Fun". In 1998 she founded the OM Yoga Center in New York, which now employs about 25 teachers (65 asana classes per week). Cindy Lee practiced alongside Vinyasa Yoga and Tibetan Buddhism, which flows into her yoga classes. All this has of course made me curious, so I visited this week two of her open classes at the moveo Yoga Studio. During this almost four hours I got to appreciate her incredible sense of humor. It's always weird how seriously some yoga classes get, and how fiercely some people sometimes gasp between their teeth: "I am here to be happy ... damn it! "Cindy has managed to remind us how "weird " some yoga poses can be. And to anchor our attention in the present, she placed many small surprises in her practice: We snapped our fingers in Side Plank Pose/Vasisthasana, both knees bent alternately in the Half Moon Pose/Ardha Chandrasana, searched our "dots of awareness" (sounds, smells, touches and other fixed points in our consciousness), came without using hands into the standing split from Gomukhasana and Ardha Matsyendrasana (Cindy made an effort, to learn the word "Kuhkopf", she wanted to contribute in conversations), exercised us in a handstand, combined Single Nostril Breath and fire breathing, tried to bring our shoulders downward ("Ah, you do have a neck! It looks like a tortoise coming out of its shell"), sang the OM in the cobra, tried to make eagle legs in head stand, caught the breath in our fists and let it free (the whole in the dynamic - raise in this case the legs - supported bridge / Setu Bandha Sarvangasana), named the Happy Baby Pose to died -a-natural-death-bug-asana, listened to the birds and breathed us into the here and now ("You can not breath later!"). Then I had the opportunity to ask Cindy a couple of questions:

How did you discover Yoga?
I started going to Yoga when I was at college in 1971. It was a little college, that was very excentric in Southern California by the beach – and they had yoga.

How did you find your way of yoga?
Oh it was long time on the way. In between I started doing yoga in college, but then I was primarily a dancer and I got a masters degree in dancing, went to New York. But in America if you are a dancer it means you have to have another job. And I wasn't a good waiter. So I started teaching yoga. I started reading books and teaching myself and I went to other yoga classes in New York. So I read everything and just figured it out. I did that for about 15 years. Then in the late 80's I met my buddhist teacher, Gelek Rinpoche. Things really changed for me and I became very deeply drawn into buddhism. That strengthened my yoga practice. And then I stopped dancing. All I wanted to do is practice: dharma and yoga. I started kind of noticing that when I was teaching yoga some of the things I learned from my buddhist guru are the same things. So I asked him if that was okay, and he said yes. So it evolved naturally that way. So my method on yoga is a natural evolution of my own practise and who I am and what I like and what I feel. It is vinyasa, which is flowing and awakening to every moment, also falling in dancer like ... I like that movement. And alignment is very important so that you don't get injured. And the buddhist elements of mindfulness and compassion. All integrated! That was a huge process.

Most of the time when you learn yoga philosophy it is based on hinduism. What are the similarities between yoga and buddhism?
They are very similar. I mean, yoga has the 8 limbs and buddhism has the 8 full path. They are both explorations of yourself, and getting to learn who you are. So you can be of more benefit of yours and really live of a conscious life. I think there is a kind of a one big difference which is that yoga is more dualistic. It has the prakrti and the purusha. In Buddhism there is no dualistic nature, so everything is sacred, everything is good.

You named your yoga studio OM Yoga. What means the mantra OM for you?
Well, OM is almost everything and the same way nothing. We think of OM as really opening the possibility. When we chant OM it is like a cut through the conceptual mind and just opens us to what is happening right now. So it is a practise in a way of sounding your breath and connecting. In tibetan buddhism OM means union of body, speech and mind. So I think that is the experience, too, when we chant OM: We cut through our thinking mind, past, future, right here. The breath is the bridge of mind and body. Is that a god answer?

Oh, of course. In another workshop I learned from Max Strom that OM is not chanting to a god, it is not a cult. Many people who go the first time to yoga are a little bit frightened, that they would join a cult or something like that, when we chant OM. It is important to say to them what is OM, but without scaring them.
That is interesting that you are saying that, because you have been in my class two times. So you have seen different ways that I introduced this practice of chanting OM. And it can be different each time. It can be a way of just feeling your own energy, what you like today, your connecting to yourself, connecting to other people in the room, that community experience. One of the exercises in this teacher training with me here in moveo is: Each student has to introduce OM to the class in a way that makes it real and earthy and not scary for a new person.

The way of yoga never ends. What are you working on right now?
For me, myself personally and actually, I'm working on – I guess you can say balance, but taking care of myself better. Many people have this, but it is particularly to women that we put everyone else first. So I take care of my mother, who is very elderly, and it means a lot of care, and I take care of me employees, my students – and then a don't take care of myself enough. I know to haunting that's not good, but I started to breath. If I can give mysef time for my practise, my sleep and for things that are fun for me, then I am a better friend, a better yoga teacher, a better daughter and a better wife. So I'm working on that and it is an interesting challenge. But I think it is an important part of balance.

Danke, namaste.

Sonntag, 24. April 2011

Im Interview: Daniel Orlansky
About Meridian Yoga

Daniel Orlansky Meridian YogaDaniel Orlansky demonstriert an seiner Partnerin
Rosana die Arbeit am Dünndarm-Meridian.

Daniel Orlansky Meridian YogaIn Bauchlage Adlerarme, nach vorn herausziehen und
danach Schultermassage und Druck auf den Akupunkturpunkt G21

Am Wochenende traf ich Daniel Orlansky bei Home Yoga und nahm an seinen beiden Workshops teil, zu Yoga of Energy Flow und Meridian Yoga. Seine Arbeit mit Energieflüssen und Meridianen interessierte mich, besonders nach meinen Erfahrungen mit Qigong. Beim Energy Flow Workshop arbeiteten wir mehr mit dynamischen Bewegungen aus dem Kundalini Yoga, mit Mudras und Pranayama. Daniel legt vor allem Wert auf die Atempausen nach der Ein- und nach der Ausatmung: Kumbakh genannt. Beim Anhalten nach der Einatmung sollten wir das Chi in unserem Körper verteilen, beim Anhalten nach der Ausatmung sollten wir leer und klar werden. Am Sonntag, beim Meridian Yoga, ging es um das Öffnen einmal des Gallenblasen-Meridians und zum anderen des Dünndarm-Dickdarm-Meridians durch Massagen, Asanas und Streching. Puh, das war zwar größtenteils sehr angenehm, aber zeigte auch, wo die Schmerzpunkte im Körper liegen können. Nach dem Workshop durfte ich Daniel ein paar Fragen stellen:

Wie hast du Yoga für dich entdeckt?
Vor 36 Jahren begann ich mit Kundalini Yoga. Zuerst habe ich also mit Atem, Energielenkung, Meditation und eher dynamischen Bewegungen gearbeitet, mit dem sogenannten Pranayama Kosha. So nennen wir die zweite Hülle unseres Körpers, die aus unserer Lebensenergie, Prana genannt, besteht. Allerdings hatte ich damals Rückenbeschwerden und brauchte ein bisschen mehr Dehnung. Deswegen begann ich mit Hatha Yoga, mit der Arbeit am physischen Körper und mit Asanas. Ich brachte beide Herangehensweisen zusammen, kombinierte sie mit Hilfestellungen, Shiatsu und Thai Massage und nannte es Meridian Yoga. Das war ungefähr vor 15 Jahren.

Was sind deine größten Einflüsse?
Meine Arbeit mit dem Atem, mit Asanas und Körperarbeit kommt aus dem Kundalini Yoga. Die fließenden Bewegungen sind inspiriert vom Vinyasa Yoga and Kali Ray TriYoga. Das System der Meridiane stammt aus den traditionellen asiatischen Gesundheitslehren wie Akupunktur, Thai Chi und Shiatsu. Und die Qualität der Bewegungen kommt ebenfalls aus dem Thai Chi: langsam, verbunden mit dem Atem und meditativ.

Wer waren deine Lehrer?
Ich habe drei Yogastile gelernt: Kali Ray TriYoga von Kali Ray in Boston, wo ich viele Jahre Lehrer war, Kundalini Yoga von Yogi Bhajan und das sogenannte Meridian Flexibility System von Bob Cooley. Ich habe noch einen Abschluss an der Boston Shiatsu School und studierte Expressive Art Therapy/Dance Therapy an der Lesley University. Aus all diesen Einflüssen habe ich meinen eingenen Stil – man könnte auch sagen meine eigene Sprache – gefunden: Meridian Yoga.

Wie arbeitest du mit den Meridianen?
Mit Widerstand, Asanas, Stretching (sogenanntes PNF-Stretching, eine Physiotherapie-Behandlung), Hands-on, Shiatsu und Thai-Massage. Im Shiatsu arbeitet man mehr mit den Akupunkturpunkten, und in der Thai-Massage hat man mehr Bewegung und mehr passive Dehnung. Mit all diesen Methoden versuche ich, Blockaden im Körper zu lösen. Denn diese Blockaden sorgen dafür, dass man vom großen Energiefluss abgeschnitten wird. Wenn man diese Blockierungen öffnet, dann verbindet man sich mit einem größeren Energiefluss, Dao genannt (der Kreislauf der Energie vom Himmel zur Erde und zurück durch den Körper hindurch) oder Lebenskraft, manche würden auch sagen Gott, Gottheit oder das Göttliche. Die Wege der Energie von Blockaden zu befreien hilft dabei, im Hier und Jetzt zu sein und mit Himmel und Erde in Verbindung zu treten.


Was sind die Unterschiede zwischen Nadis und Meridianen?
Es gibt mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede: Das indische System der Nadis ist fast das gleiche wie das chinesische System der Meridiane. Beides basiert auf Energiebahnen im Körper. Beide, Meridiane und Nadis, können geöffnet werden, indem man spezielle Punkte des Körpers reizt. Es gibt eine Menge Beziehungen zwischen Yoga/Nadis/Prana, TCM/Meridiane/Chi und Shiatsu. Es gibt sogar Chakren im chinesischen System. Aber in den unterschiedlichen Systemen existieren verschiedene Punkte, Elemente und Verbindungen zu den inneren Organen. Doch die Prinzipien sind die gleichen: Man muss die Blockierungen öffnen – durch den Atem, Asanas, Akupunkturnadeln oder Massage. Dann öffnet sich der Körper der Energie.

Wo liegt der Schwerpunkt bei deiner Lehrmethode?
Die Balance von Körper, Atem und Geist. Der Körper will gelockert werden, der Atem will fließen, und der Geist will ruhig werden. Wenn man alles drei erreicht, dann erfährt man das, was man Selbstverwirklichung nennt. Manchmal arbeite ich mehr an einem Punkt. Meist weil es einfacher ist, mit dem physischen Körper zu arbeiten, danach kommt die Atemarbeit, und dann konzentriert man sich auch auf den Geist.


This weekend I met Daniel Orlansky at Home Yoga and participated in his two workshops: Yoga of Energy Flow and Meridian Yoga. His work with energy flows and meridians interested me, especially after my experience with Qigong. In the Energy Flow Workshop we worked with more dynamic movement of the Kundalini Yoga, with mudras and pranayama. Daniel puts particular emphasis on the breath breaks after the in- and exhalation: called kumbakh. When stopping after inhalation we should distribute the Chi in our body, when stopping to breathe out, we should be empty and clear. On Sunday, Meridian Yoga was about to open the gall bladder meridian and the small intestine and large intestine meridian through massage, stretching and asanas. Phew, that was the most part very pleasant, but also showed where are the pain points in the body. After the workshop I was able to ask Daniel a few questions:

How did you discover yoga?
It was 36 years ago when I began with Kundalini Yoga. So first I worked with breath, energy, meditation and more dynamic movements – I worked with the pranayama kosha, that's how we called the second Kosha, the layers of subjective experience, and it consists of the vital life-force, otherwise known as Prana. But I had back problems, so I needed a little bit more streching. I began with Hatha yoga, working with streching the physical body and asanas. I started to bring these two styles together and combined it with Hands on, Shiatsu and Thai massage and I called it Meridian Yoga. That was like 15 years ago.

What are your biggest influences?
The work with breath, asanas and body work comes from Kundalini Yoga. The flows of Vinyasa Yoga and Kali Ray TriYoga. The system of meridians from oriental health systems like acupuncture, Thai Chi and Shiatsu. And the quality of movement from Thai Chi: slow, connected with the breath and meditative.

Who were your teachers?
I learned three styles: Kali Ray TriYoga by Kali Ray in Boston, where I was a teacher many years. Kundalini Yoga by Yogi Bhajan, and the so called Meridian Flexibility System by Bob Cooley. I graduated at the Boston Shiatsu School and studied Expressive Art Therapy/Dance Therapy at the Lesley University. From all these influences I invented my own style – you can say I found my own voice – called Meridian Yoga.

How do you work on the meridians?
With resistance, asanas, streching (called PNF streching, a physiotherapy treatment), hands-on, Shiatsu and Thai massage. In Shiatsu you work more with the acupuncture points and in Thai massage you have more movement and more passive streching. With all these methods I want to unblock the body. Because if you have blockings in your body, it cuts you off the bigger flow. When you open these blockings you can connect to a larger flow of energy which is called Dao (which flows from heaven to earth and backwards through your body) or life force, some would say god, godhead or the divine. Unblocking the pathways of energy helps you to be there, to connect you with earth and heaven.

Which are the differences between nadis and meridians?
There are more similarities than differences: The indian system of nadis is nearly the same like the chinese system of meridians. There are both energy pathways. You can open both, meridians and nadis, by pressing special points of the body. There is a lot of relationship between Yoga/nadis/prana, TCM/meridians/chi and shiatsu. You even have a system of chakras in the chinese system. But there are different points, elements and different connections to the inner organs. But the principles are the same: You must open the blockings – through breath, asana, needles or massage. Then the body opens to energy.

What is your focus in your teaching method?
The balance of body, breath and mind. The body wants to be relaxed, the breath wants to flow and the mind wants to be still. When you have all three you can come to selfrealization. Sometimes I work more on one, because it is the easiest to work with the physical body, then you can work on breath and then on mind.

Dienstag, 12. April 2011

Max Strom im Interview: About Breathing

photo of Max Strom by: Christo Brock, www.maxstrom.com

Letztes Wochenende war Max Strom für einige Workshops nach Berlin gekommen, zu Spirit Yoga. Der „Lehrer der Lehrer“, wie er aufgrund seiner vielen internationalen Teacher Trainings oft genannt wird, brachte uns sein Unterrichtskonzept näher: seine Philosophie, Atemübungen, Asanas und Meditation. Wir reihten uns in die Zehntausenden von Studenten und ausgebildeten Lehrern ein, die er weltweit bereits unterrichtete. Von seiner Heimat Ashland, Oregon, aus reist er über 250 Tage im Jahr für seine Workshops durch die ganze Welt. Über seine drei Workshops, die ich besuchen konnte, werde ich anschließend noch berichten. Doch zunächst soll Max direkt zu Wort kommen. Ich hatte die Gelegenheit, ihn ein paar Fragen zu stellen:

Last weekend Max Strom came for some workshops to Berlin to Spirit Yoga. Theteacher of teachers“, as he is known for his many international teacher trainings, brought us closer to his teaching approach: his philosophy, breathing exercises, asanas and meditation. We lined up in the tens of thousands of trained students and teachers, he taught around the world already. From his homebase in Ashland, Oregon, he travels over 250 days a year for his workshops around the world. I am going to report about three of his workshops, which I was able to visit, but first it is Max right to speak. I had the opportunity to ask him a few questions:

What brought you to the topic of "breathing"?
Max:
When I started practising yoga, I had a teacher who emphasized breathing. Her name is Dena Kingsburg. She is
Australian and has been studying and practicing traditional Ashtanga yoga for over 20 years. She has been certified to teach by Sri K. Pattabhi Jois. She taught me how to breath. I started to notice, that teachers that work the most grounded and spiritual had the best breathing practices. The once with the most neurotic did not have these practices. So I startet to practice and began to feel the benefits of breathing like better sleep. And I started to feel freed of the prison of my own body.

How did you first experienced yoga?
My first yoga class was Qigong, chinese yoga, when I was 18 years old. I practised it for two years. The second time I took yoga was when I was 19. It was a cult. So I didn't came back for 13 years. That is why I tell new students, when they come the first time, that they are not
joining a cult, that we are not singing OM to a god and that they do not have to kiss a guru's feet. Then I went to a Hatha yoga class with a friend in Los Angeles – and I loved it! I continued practicing.

Where did you learn to teach?
I think it comes naturally. I took my first teacher training at YogaWorks in Los Angeles.

I asked some students what they would like to know about you and some asked how old are you?
54 years. I was born in 1956, July.

Thank you very much!

Was hat dich zu dem Thema „Atmung“ gebracht?
Max: Als ich anfing, Yoga zu praktizieren, hatte ich eine Lehrerin, die dieses Thema betonte. Ihr Name ist Dena Kingsburg. Sie ist Australierin und studiert und praktiziert traditionelles Ashtanga Yoga seit über 20 Jahren. Sie lernte von Sri K. Pattabhi Jois zu unterrichten. Sie hat mir beigebracht, wie man atmet. I begann zu merken, dass diejenigen Lehrer, deren Arbeit am fundiertesten und geistreichsten war, diejenigen waren mit der besten Atempraxis. Diejenigen, die am neurotischsten waren, hatten diese Praxis nicht. Deshalb begann ich auch zu praktizieren und merkte die Wohltaten der Pranayama-Praxis wie besserer Schlaf. Und ich begann mich befreit zu fühlen, befreit aus dem Gefängnis meines Körpers.

Wie bist du zu Yoga gekommen?
Meine erste Erfahrung war Qigong, eine Art chinesisches Yoga, das ich zwei Jahre übte. Als ich an das zweite Mal eine Yogaklasse nahm, war ich ungefähr 19. Da wurde ein richtiger Kult daraus gemacht, und deswegen bin ich 13 Jahre nicht mehr zum Yoga gegangen. Deshalb sage ich neuen Schülern stets, wenn sie das erste Mal kommen, dass sie nicht einem Kult beitreten, dass wir nicht OM an einen Gott gerichtet singen und dass sie nicht die Füße eines Gurus küssen müssen. Dann bin ich mit einem Freund in Los Angeles in eine Hatha-Yoga-Klasse gegangen – und habe es geliebt! Seitdem übe ich.

Wo hast du gelernt zu unterrichten?
Ich denke, das kommt aus mir heraus. Meine erste Lehrerausbildung habe ich bei YogaWorks in Los Angeles absolviert.

Ich fragte einige Schüler, was sie gern von dir wissen würden, und einige fragten: Wie alt bist du?
54 Jahre. Ich wurde 1956 im Juli geboren.

Vielen Dank!

Montag, 4. April 2011

Wu Wei, Mu Ga, Hanare, Aloha, Stoa, Vairāgya
Die weltweite Suche nach dem inneren Frieden

Was wollen wir mit Yoga erreichen? Was sind die Hintergründe von Yoga? Und wie vermittelt man Erfahrungswege weg von einer äußeren Schale, hin zum wahren Kern der Dinge, zu einem inneren Sein (Schlagwort: „Wie werde ich zum Fruchtfleischyogi?“). Das war die Frage des vergangenen Yoga-Philosophie-Wochenendes. Und so machten wir uns auf die innere Schatzsuche und fanden auch außerhalb des Yogas eine Menge Inspiration:

Wu Wei
Daoismus, Qigong: Wu Wei bedeutet nicht, dass man nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao (natürliches Ursache-Wirkung-Prinzip) entstehen und so das Notwendige getan wird, jedoch nicht in Übereifer und blindem Aktionismus, sondern leicht und mühelos ohne ein Eingreifen des dualistischen Intellekts. Wu Wei ist ein Zustand innerer Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens bewirkt.

Mu Ga
Zen-Buddhismus: Mu Ga ist der Zustand der Nichtwahrnehmung des Selbst (mittels körperlicher Aktivitäten). Mu in der Terminologie des Zen bedeutet ‚leer’, der Zustand von Mu ist das absolute Loslösen vom Ich, welches das wirkliche Sein hervorbringt.

Hanare
Kyudo - Kunst des japanischen Bogenschießens: Hanare ist der Abschuss oder das Auslösen mit der richtigen Technik, bis zu dem Punkt, wo es natürlich und ungewollt geschieht.
Grammatikalisch richtig bedeutet Hanare ‚losgelassen wurde’. Die Verbform drückt die Unabsichtlichkeit aus, dem ist die Form wie ‚ich habe losgelassen’ gegenübergestellt, welches absichtliches Handeln ausdrückt. Niemand kann vermeiden, seine Aufmerksamkeit auf das Hanare zu richten und sich diesem bewusst werden: Das ist bezeichnend dafür, dass das wirkliche und wesentliche Hanare noch nicht erlangt ist. Nach vielen Jahren des Trainings, Schritt für Schritt, verbunden mit der bewussten Entwicklung der Bewegung, kommt der Übende zu dem Punkt, an dem er den Abschuss ohne jede Absicht auszuführen weiß, nur unter der Herrschaft des tiefen wahren Seins, ein Zustand des Hanare, sodass der Pfeil mit der maximalen Präzision abgeschossen wird.

Aloha
Hawaii: Oftmals als respektvoller Gruß gebraucht, bedeutet das Wort auch "Liebe" als persönliche Begegnung (alo) mit dem Hauch des Lebens (ha). Zitat der Königin Liliʻuokalani: „Kein Hawaiianer hatte Erlaubnis dieses heilige Wort auszusprechen, ... es sei denn, er war mit seinem Gegenüber in Harmonie ...“

Stoa
Griechische Antike: Für den Stoiker als Individuum gilt es, seinen Platz in dieser Ordnung zu erkennen und auszufüllen, indem er durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung sein Los zu akzeptieren lernt und mit Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe zur Weisheit strebt. Als Wegweiser dient dabei die eigene Vernunft; als Motivatoren fungieren der Selbsterhaltungstrieb und das Streben nach Selbstvervollkommnung (Oikeiosis). Nur ein lebenslanges Bemühen um Selbstformung, das auch den Herausforderungen von Schicksal und mitmenschlichem Umfeld standhält, schafft Aussicht auf Seelenruhe. Voraussetzung dafür ist eine ausgeprägte Affektkontrolle, die zur Freiheit von Leidenschaften (Apathie), zu Selbstgenügsamkeit (Autarkie) und Unerschütterlichkeit (Ataraxie) führen soll. Mark Aurel (römischer Kaiser 121-180): „Arbeite! Aber nicht wie ein Unglücklicher oder wie einer, der bewundert oder bemitleidet werden will. Arbeite oder ruhe, wie es das Beste für die Gemeinschaft ist.“

Vairāgya
Yoga: Pataňjali fasst in seinem Yoga-Sūtra 1.12 zusammen:
abhyāsavairāgyābhyām tannirodhaḥ

„Durch Üben und die Fähigkeit loszulassen kann unser Geist den Zustand Yoga erfahren.“
Swami Sivananda: „Vairagya ist Leidenschaftslosigkeit, nicht aber die Aufgabe sozialer Pflichten und Verantwortlichkeiten im Leben. Ein Vairagi (ein leidenschaftsloser Mensch) hat kein Raga Dwesha (Zu- oder Abneigung). Ein weltlicher Mensch ist Sklave dieser beiden mächtigen Ströme. Ein leidenschaftsloser Mensch hat eine andere Ausbildung. Er macht überhaupt eine andere Erfahrung. Er ist ein Meister in der Kunst oder Wissenschaft des Sichlösens von Nichtdauerhaftem und Vergänglichem. Ein leidenschaftsloser Mensch ist der stärkste, glücklichste und reichste Mensch auf der Welt.“
 
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